Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Biographie und Gedächtnisrede
Person:
Du Bois-Reymond, Estelle Julius Rosenthal
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28643/15/
Gedächtnisrede. 
XXI 
was die Histiologen „Muskelkästchen“ genannt haben. 
Nur tut man gut, die irreleitende Bezeichnung „Molekeln“ 
fallen zu lassen und lieber von „Muskelelementen“ zu 
sprechen oder einen ähnlichen unverfänglichen Ausdruck 
zu gebrauchen.6 Für den Nerven freilich ist ein analoger 
Parallelismus zwischen Strukturelementen und hypotheti¬ 
schen Trägern der elektrischen Spannungen nicht so 
deutlich nachgewiesen. Außerdem ist zu erwähnen, daß, 
wie Helmholtz gezeigt hat, die Spannungsverteilung an 
der Oberfläche eines nach du Bois-Reymond’s Hypothese 
mit elektromotorischen Kräften erfüllten Leiters den tat¬ 
sächlich vorhandenen Spannungen entspricht.7 
Wenn die Muskelelemente in der Weise, wie du 
Bois-Reymond annahm, Träger elektrischer Potentialdiffe- 
renzen sind, so läßt sich nach dem von Helmholtz ent¬ 
wickelten Prinzip der elektromotorischen Oberfläche die 
Verteilung der Spannungen an dieser Oberfläche be¬ 
rechnen. Ist der unversehrte Muskel stromlos, d. h. 
haben alle Punkte der Oberfläche gleiches Potential, 
dann muß man eine solche Änderung in der Grund¬ 
annahme machen, daß auch dieser Forderung genügt 
wird. Das leistet du Bois-Reymond’s Annahme von der 
parelektronomischen Schicht. Sie ist also theoretisch 
durchaus zulässig. 
Wem diese Betrachtungsweise nicht anschaulich 
genug erscheint, der wird vielleicht durch den Vergleich 
mit den Magneten den Sinn derselben leichter erfassen. 
Man denke sich einen FARADAY’schen geschlossenen Ring¬ 
magneten, ein sogenanntes Toroid, wie man jetzt sagt. 
Ein solches Toroid zeigt nach außen keinerlei magnetische 
Wirkungen. Schneidet man aber aus demselben einen 
Sektor heraus, so werden dieser sowohl wie der Rest 
sich als Magnete erweisen, jeder Teil wird einen Nord¬ 
pol und einen Südpol und einen magnetischen Äquator 
haben. 
Die Veränderungen, welche bei der Tätigkeit in 
Muskeln und Nerven entstehen, hat du Bois-Reymond als 
„negative Schwankung“ bezeichnet, was zunächst nur 
besagt, daß sie entgegengesetztes Vorzeichen haben, wie 
die gewöhnlich von ihm beobachteten Ströme zwischen 
Längs- und Querschnitt. Ein wesentlicher Fortschritt in
        

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