Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kulturgeschichte und Naturwissenschaft. Im Verein für wissenschaftliche Vorlesungen zu Köln am 24. März 1877 gehaltener Vortrag
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28640/56/
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Kulturgeschichte und Naturwissenschaft. 
rungen nicht ganz unrichtig gestellt waren. Das griechische 
Skriptum fiel wirklich aus der Reifeprüfung der Gymnasien 
fort; an seine Stelle trat eine Übersetzung aus dem Griechi¬ 
schen, für welche „aus einem der Lektüre der Prima an¬ 
gehörenden oder dazu geeigneten Schriftsteller ein in der 
Schule nicht gelesener, von besonderen Schwierigkeiten freier 
Abschnitt“ diktiert wird; Benutzung eines Lexikons ist dabei 
gestattet. Im allgemeinen soll der Schüler imstande sein 
„den Homer, den Xenophon, die kleineren Staatsreden des 
Demosthenes und die leichteren Dialoge Platon’s zu ver¬ 
stehen und ohne erhebliche Nachhilfe zu übersetzen, ferner 
in der griechischen Formenlehre und den Hauptpunkten der 
Syntax Sicherheit beweisen.“ (Zirkularerlaß des Unterrichts¬ 
ministeriums vom 27. Mai 1882. Im Zentralblatt für die ge¬ 
samte Unterrichts-Verwaltung in Preußen. Jahrgang 1882. 
S. 367 (4). 371 (2). 372 (4)). Da nicht wir die „Banausen“ 
sind, von welchen Hr. Mommsen sagt, daß sie „meinen mit der 
Zeit den Homer durch die Lehre von den Kegelschnitten 
ersetzen zu können“ (Sitzungsberichte der Akademie usw. 
1884. Bd. I. S. 246), so finden wir diese Forderungen ganz 
angemessen, und nehmen die Erfüllung unseres einen 
Wunsches, Beseitigung des griechischen Skriptums, mit bestem 
Dank an. Persönlich kann ich übrigens mein Erstaunen 
darüber nicht unterdrücken, daß etwa zwei Jahre nach solcher 
griechischen Reifeprüfung, viele Mediziner in der ärztlichen 
Vorprüfung den Sinn von Wörtern wie Dyslysin, Kreosot, 
nicht zu ergründen vermögen. Freilich ist es auch nichts 
Ungewöhnliches, daß sie die zweite und vierte lateinische 
Deklination verwechseln. 
Auch in Ansehung der Mathematik ist ein gewisses Zu¬ 
geständnis gemacht worden. Es sind wöchentlich zwei 
Stunden mehr dafür ausgeworfen (Zirkular-Verfügung betreffend 
die Einführung der revidierten Lehrpläne für die höheren 
Schulen. A. a. O. S. 244 ff.). In den Erläuterungen zu diesen 
Lehrplänen heißt es aber leider (ebendaselbst S. 255, zu 9, a): 
„Die Vermehrung der dem mathematischen Unterrichte zu 
widmenden Stundenzahl ist nicht zu einer Erhöhung des 
Lehrzieles, sondern zur Sicherung des Wissens und des 
Könnens bestimmt.“ Das Lehrziel wird denn auch nach wie 
vor bezeichnet als „Arithmetik bis zur Entwickelung des bino¬ 
mischen Lehrsatzes, und Algebra bis zu den Gleichungen des 
zweiten Grades einschließlich. Die ebene und die körperliche 
Geometrie und die ebene Trigonometrie“. (S. 247. 367). 
Unter 9, e wird dann noch ausdrücklich hinzugefügt, daß der 
Umfang dieser Lehraufgabe „nicht durch Hineinziehen der 
sphärischen Trigonometrie oder der analytischen Geometrie
        

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