Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kulturgeschichte und Naturwissenschaft. Im Verein für wissenschaftliche Vorlesungen zu Köln am 24. März 1877 gehaltener Vortrag
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28640/27/
Kulturgeschichte und Naturwissenschaft. 
S93 
einen Fuß auf das Gestade der induktiven Naturforschung 
gesetzt, so durchflog er im Triumph eine Bahn, welche 
mit einem Schwünge ihn der Idee nach auf die höchste 
ihm beschiedene Höhe trug: denn nur fünfzig Jahre 
trennen Galilei’s DiscorsiM von dem Erscheinen der 
NEWTON’schen Principia und von der Formulierung der 
Erhaltung der Kraft durch Leibniz in demselben Jahre 
1686. 
So stieg in rascher Folge der geographischen, 
astronomischen, physikalischen, chemischen Entdeckungen 
endlich das Zeitalter herauf, in dessen Segnungen wir 
leben. Wir nennen es das technisch-induktive, weil 
seine Erfolge darin wurzeln, daß in der Natuwissenschaft 
der Spekulation obgesiegt hat die Induktion, die /xedoSog 
èncocrtxi], die Methode des Daraufsichführenlassens; von 
der es so schwer hält, den Außenstehenden als von einer 
besonderen Methode eine Vorstellung zu geben, indem 
sie genau genommen nichts ist, als der auf die jedes¬ 
malige Aufgabe angewendete gesunde Menschenverstand. 
Diese neue Gestaltung des Lebens der Menschheit 
zu verfolgen, ist so tröstlich und erhebend, wie es 
schmerzlich und niederdrückend war, ihrer Knechtung 
durch die Geschöpfe ihrer Einbildungskraft während der 
‘finsteren Zeiten’ beizuwohnen. Ja wer könnte es leugnen: 
wenn man die ganze Menschengeschichte im Geist an 
sich Vorbeigehen läßt, bietet sich mit Ausnahme der 
hellenischen Blüte, die so vergänglich war, wie das 
Schöne zu sein pflegt, kein edleres Schauspiel als das, 
welches nun sich zu entrollen beginnt und noch unter 
unseren Augen täglich reicher sich entfaltet. 
Da erblicken wir eine ganz andere Weltgeschichte, 
als die, welche gewöhnlich diesen Namen trägt, und uns 
von nichts erzählt, als von Steigen und Fallen der 
Könige und Reiche, von Verträgen und Erbstreitigkeiten, 
von Kriegen und Eroberungen, von Schlachten und Be¬ 
lagerungen, von Aufständen und Parteikämpfen, von 
Städteverwüstungen und Völkerhetzen, von Morden und 
Hinrichtungen, von Palastverschwörungen und Priester¬ 
ränken; welche uns nichts zeigt als im Kampf Aller 
gegen Alle das trübe Durcheinanderwogen von Ehrgeiz, 
Habsucht und Sinnlichkeit, von Gewalt, Verrat und 
E. du Bois-Rbymond, Reden. I. 3^
        

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