Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
La Mettrie. In der Friedrichs-Sitzung der Akademie der Wissenschaften am 28. Januar 1875 gehaltene Rede
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28638/7/
La Mettrie, 
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Fakultät antwortete mit jener damals beliebten Art von 
Zensur, der wenige Jahre später Voltaire’s Docteur Akakia 
auf dem Gensdarmenmarkte zum Opfer fiel, und der auch 
Rousseau’s Émile nicht entging: La Mettrie’s Schriften 
wurden vom Henker verbrannt. Der ihm drohenden 
Verhaftung — es war die Zeit, wo Réaumur Diderot in 
Vincennes und Voltaire La Beaumelle in die Bastille 
einsperren ließ — entzog er sich auf den Rat vornehmer 
Freunde durch freiwillige Verbannung erst nach Gent, 
von wo er als Spion ausgewiesen wurde, dann nach 
Leiden. 
In diese Zeit, 1746, fällt La Mettrie’s Verheiratung 
mit einer Mlle. Dréauno. Aus dieser Ehe entsprang 
nur eine Tochter. Der Sohn, dem er im Ouvrage de 
Pénélope guten Rat erteilt, wie er als Arzt reüssieren 
könne, ist keine wirkliche Person. 
Selbst in dem freisinnigen und gastfreundlichen 
Holland, der Zuflucht vieler der besten und kühnsten 
Köpfe Frankreichs, duldete es La Mettrie nur kurz. 
Im Verfolg seiner Untersuchungen über die Seele 
schrieb er 1748 in Leiden sein berühmtestes und auch 
am meisten getadeltes Werk, LHomme machine. Ein 
Sturm brach gegen ihn los, zu welchem katholische 
Priester und protestantische Geistliche aller Bekenntnisse 
sich verbanden. Bei Nacht und Nebel, auf ungebahnten 
Wegen, an allem Mangel leidend, aber jedem Mißge¬ 
schick mit unverwüstlicher Heiterkeit trotzend, wurde 
er durch einen befreundeten Buchhändler in Sicherheit 
gebracht. 
Hier reiht sich ein Zwischenfall an, der La Mettrie 
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wenig zur Ehre gereicht, ja ihn uns von seiner schlimm¬ 
sten Seite zeigt. Er erdreistete sich, den namenlos er¬ 
scheinenden Homme machine Albrecht von Haller, dem 
großen Göttinger Physiologen, mit dem er keine Ver¬ 
bindung hatte, als seinem Lehrer und Freunde zu widmen: 
wohl in der Absicht, die Anonymität besser zu wahren. 
Die Widmung enthält übrigens nur überschwengliche 
Lobreden auf Haller und auf die geistigen Genüsse, 
und nirgend ist darin unmittelbar gesagt, daß Haller 
La Mettrie’s Lehren huldige. Haller hätte natürlich 
ani besten getan, sich in der Stille zu ärgern. Seine 
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