Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über eine Kaiserliche Akademie der deutschen Sprache. In der Sitzung der Akademie der Wissenschaften zur Geburtstagsfeier des Kaisers und Königs am 26. März 1874 gehaltene Rede
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28637/28/
Über eine Kaiserliche Akademie der deutschen Sprache. 501 
drucker und Verleger, die höhere Tagespresse, vor allem 
die Schulbehörden ihr mit gutem Willen entgegenkämen. 
Der Beistand der Reichs- und der preußischen Behörden 
ware ihr gewiß, die Behörden der anderen Einzelstaaten 
würden den ihrigen kaum versagen. Ein sehr großer 
Teil des literarischen Deutschlands wäre auf diese Weise 
umfaßt, in welchem die Akademie den formalen Teil 
ihrer Aufgabe, Kodifikation der Sprache, sicher durch¬ 
führen könnte. Die äußere Anerkennung literarischen 
Verdienstes durch Aufnahme in die Akademie und durch 
Preise würde aber auch unfehlbar nützlichen Wetteifer in 
richtiger und schöner Behandlung der Sprache erwecken, 
und allmählich dahin führen, daß die schmähliche Gleich¬ 
gültigkeit gegen die Form der Rede, und die barbarische 
Geringschätzung stilistischer Bemühungen einem Streben 
nach Vollkommenheit und einem Gefühl für nationale 
Würde auch in diesen Dingen wiche. Man sieht wenig¬ 
stens nicht ein, weshalb die Mittel, von denen man in 
Wissenschaft und Kunst Heil erwartet, nicht auch in 
Pflege der Sprache einmal versucht werden, weshalb, 
wenn sie erfahrungsmäßig dort sich nützlich zeigten, sie 
hier unwirksam bleiben sollten. 
England freilich besitzt, wie schon gesagt, keine 
Akademie der englischen Sprache, aber auch seine vor¬ 
nehmste wissenschaftliche Körperschaft ist keine Akademie 
in unserem Sinn. Wir haben noch von den Engländern 
zu lernen, wie größte Ungebundenheit des Einzelnen sehr 
gut mit williger Unterwerfung unter heilsame, wenn auch 
zuweilen unbequeme Satzungen sich verträgt. Warum 
also nicht hier das Beispiel der Franzosen nachahmen, 
ohne ihnen in ihre etwaigen Abwege zu folgen? Eine 
Akademie der deutschen Sprache, wenn sie nicht zum 
Guten ausschlüge, würde wenigstens sicher nicht schaden. 
Das deutsche Volk würde ja wohl Uhland’s Wort er¬ 
füllen, und neben der ergründenden, bestimmenden, ge¬ 
staltenden Tätigkeit der Akademie fort und fort an der 
Sprache lebendig schaffen, wie dies übrigens die Fran¬ 
zosen, trotz der Académie française, getan haben und 
noch täglich tun. Eine Sprachentwickelung gleich der 
von Corneille und Molière bis zu Victor Hugo und 
dem jüngeren Dumas zeugt wahrlich nicht von über-
        

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