Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der deutsche Krieg. In der Aula der Berliner Universität am 3. August 1870 gehaltene Rektoratsrede
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28633/18/
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Der deutsche Krieg. 
als Nation kein Griechisch und das griechische Altertum 
liegt ihnen verhältnismäßig fern. Der Name Homer ist 
der großen Mehrzahl der gebildeten Franzosen ein leerer 
Schall. Meist kennen sie ihn nur in Übersetzungen, wie 
die der Madame Dacier und Bitaubé’s, welche uns fast 
wie Travestien erscheinen. Daher die dem Deutschen, 
der den Trunk frisch vom Quell genoß, stets unbegreif¬ 
liche Zusammenstellung Homer’s und Vergil’s bei den 
Franzosen, sogar mit Bevorzugung des kaiserlich römi¬ 
schen Hofpoeten. Bei dem Wort ‘Altertum’ steigt dem 
Deutschen zunächst das ewig schöne Bild hellenischer 
Blüte, etwa der Perserkriege und der Perikleischen Zeit 
auf. Der Franzose sieht bei demselben Wort einen Im¬ 
perator mit seinen Adlern und Legionen, Gefangenen 
und Beutewagen im Triumph dem Kapitole sich nähern, 
oder er sieht im Amphitheater, Kopf an Kopf gedrängt, 
die Quiriten an blutigen Fechtspielen und grausamen 
Tierhetzen ihr rohes Gemüt erlaben; bestenfalls denkt 
er an die meist etwas unmenschlichen und theatralischen 
Heldengestalten der Römischen Republik. Diese vor¬ 
wiegende Bewunderung der Franzosen für das Römer- 
tum, welche auch in ihrer bildenden Kunst bemerkbar 
ist, war der richtige Boden für die Saat des Cäsarismus, 
und hat wesentlich dazu beigetragen, ihnen zu einem 
nicht bloß Rom, sondern die Welt zu seinem Vergnügen 
in Brand steckenden Nero zu verhelfen. Es war aber 
wohl ein kleiner Lapsus, wenn die Augura dieser Neu¬ 
römer in der Presse uns die caudinischen Pässe weis¬ 
sagten, wo bekanntlich Römer durch das Joch krochen. 
In zwei Punkten sind wirklich die Franzosen die 
Nachfolger der Römer. Gleich diesen, halten sie sich 
für berufen und berechtigt zur Herrschaft über andere 
Völker, und knechten sie die Schwächeren unter dem 
gleißenden Vorwände von Schutzbündnissen oder auf 
Grund verleumderischer Anklagen: daher der hämische 
Ingrimm, mit dem sie seit vier Jahren Deutschland jeden 
Tag fester sich zusammenschließen, und so die Gelegen¬ 
heit zu ihrer Einmischung und unserer Demütigung un¬ 
wiederbringlich schwinden sahen; daher ihr jetziger Aus¬ 
bruch. 
Dann aber betrachten die Franzosen, gleich den
        

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