Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Voltaire als Naturforscher. In der Friedrichs-Sitzung der Akademie der Wissenschaften am 30. Januar 1868 gehaltene Rede
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28629/8/
Voltaire als Naturforscher. 
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Dies Buch ist nicht etwa ein Auszug aus den Prin- 
cipia, deren Tiefen Voltaire schwerlich ergründete, 
sondern eine selbständige Entwickelung der Entdeckungen 
Newton’s in Optik und Astronomie. Den späteren Auf¬ 
lagen geht eine Kritik der Systeme Descartes’ und 
Leibniz’, im Gegensatz zu Locke’s und Newton’s Mei¬ 
nungen, vorauf. Voltaire’s Darstellung ist geschickt und 
lichtvoll, die Sprache in schmuckloser Einfachheit ganz 
den erhabenen Wahrheiten angemessen, die er verkündet. 
Wie unerhört seine Botschaft vielen klang, erhellt daraus, 
daß der feingebildete, aber schwache Kanzler d’Aguesseau 
ihm die Druckerlaubnis versagte. Die Élémens erschie¬ 
nen zum erstenmal vor hundertunddreißig Jahren in den 
Niederlanden, wo die gefangenen elastischen Kräfte des 
französischen Vulkans so oft den Ausgang suchten. 
Inzwischen hatte Newton’s Lehre auch in der Pariser 
Akademie Fuß gefaßt. Mehrere jüngere Mitglieder, wie 
la Condamine und Bouguer, Maupertuis und Clairaut, 
hingen ihr an, und unternahmen zu ihrer Stütze die 
folgenreichen Gradmessungen in Peru und Lappland; 
denn, wie Condorcet eingesteht, damit Newton’s System 
in Frankreich zur Herrschaft gelangte, mußte es nicht 
nur an einem glänzenden Beispiel sich bewähren, vor 
allem mußten Franzosen den Ruhm der Bestätigung 
davontragen.8 Aber bei der Allmacht des Hofes und 
Adels, dem Einfluß der Frauen und der Abbés, war es 
durchaus nicht gleichgültig, welcher Theorie diese hul¬ 
digten; und erst als Voltaire’s Élémens Fontenelle’s 
Mondes von den Toiletten der Damen verdrängt hatten, 
konnte Newton’s Sieg über Descartes in Frankreich für 
vollständig gelten. Seltsam genug, der Dichter der 
Henriade, des Mahomet, des Candide war es, der die 
neuen Begriffe der allgemeinen Schwere, der verschie¬ 
denen Brechbarkeit der Lichtstrahlen französisch popu¬ 
larisierte, und durch Hinwegräumen einer großen stocken¬ 
den Masse von Irrtümern den d’Alembert, Coulomb und 
Lavoisier die Bahn ebnen half.10 
Einmal dieser Richtung zugewendet, blieb Voltaire 
nicht bei Darstellung fremder Arbeiten stehen. Unter 
den kühnen, jedoch unbewiesenen Gedanken, welche 
Descartes in die Wissenschaft warf, befand sich auch
        

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