Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gedächtnisrede auf Johannes Müller. Gehalten in der Leibniz-Sitzung der Akademie der Wissenschaften am 8. Juli 1858
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28628/88/
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Gedächtnisrede auf Johannes Müller. 
tungen von Knochenfischen untersucht hatte, über den 
Choroi'dalkörper im Auge der Knochenfische, den Blut- 
gefäßkörper der Schwimmblase und andere Bildungen 
der Art, endlich über die Wundernetze überhaupt, deren 
vollständiges morphologisches System er gegeben hat 
ohne daß es ihm gelungen wäre, irgendwo mit Sicher¬ 
heit in ihre physiologische Bedeutung einzudringen. 
Den Schluß des Werkes bilden endlich die im Juni 
1842 vorgetragenen ‘Untersuchungen über die Eingeweide 
der Fische’. Hier ragen hervor der Abschnitt über die 
Nieren, deren Bau bei den Myxinoi'den den inzwischen 
durch Hrn. Bowman entzifferten Bau der Nieren bei den 
höheren Tieren typisch vereinfacht wiederholt,148 sowie 
der über die Schwimmblase, worin die Entdeckung eines 
Springfederapparates an der Schwimmblase mehrerer 
Welse sich findet. Eine vom ersten Wirbel jederseits 
ausgehende federnde Knochenplatte drückt den vorderen 
Teil der Schwimmblase zusammen; ein die Platte zurück¬ 
ziehender Muskel erweitert sie. Dadurch vermögen diese 
Fische den vorderen Teil ihres Körpers spezifisch leichter 
zu machen, und ihren Kopf nach oben zu stellen. Läßt 
der Muskel nach, so muß wieder der Kopf sich senken, 
und der Fisch wagerecht schweben. Ein Anhang zu 
diesem Abschnitt, ‘Uber die Statik der Fische’, zeigt uns 
Müller noch einmal als sinnigen Experimentator, indem 
er die Veränderungen in den Bewegungen der Fische 
untersucht, welche auf Entfernung einzelner Flossen 
folgen, sowie die merkwürdigen Augenbewegungen, wo¬ 
mit die Fische auf Drehung um ihre Längsachse oder 
um eine Querachse antworten. 
In der ‘Vergleichenden Anatomie der Myxinoi'den’, 
besonders in deren ersten Abschnitten, herrscht, wie in 
der ‘Bildungsgeschichte der Genitalien’ im allgemeinen 
größere Vollendung der Form, als sonst in Müller’s 
Schriften. Und wenn es nicht genug zu beklagen ist, 
daß es Müller, so wenig wie Cuvier, vergönnt wurde, 
den Plan eines Lehrbuches der vergleichenden Anatomie 
auszuführen, was er sich für die Zeit versparte, wo er 
nicht mehr würde selber beobachten können, ja daß 
nicht einmal seine Vorlesungen, wie die Cuvier’s, ge¬ 
sammelt und herausgegeben sind: so darf man, was die
        

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