Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gedächtnisrede auf Johannes Müller. Gehalten in der Leibniz-Sitzung der Akademie der Wissenschaften am 8. Juli 1858
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28628/61/
Das Handbuch der Physiologie. 
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leicht erst wieder für die vasomotorische Tätigkeit des 
j\f. synipathicus glücken wird. 
In dem nun folgenden Buche von den Bewegungen, 
welches den zweiten Band eröffnet, erscheint der Ab¬ 
schnitt über die allgemeine Muskelphysik in mancher 
Beziehung als einer der schwächsten des Werkes. Doch 
bietet auch dieser ungewöhnliches Interesse dar durch 
Hrn. Schwann’s darin niedergelegte Untersuchung über 
die Art wie die Kraft des Muskels mit seiner Verkürzung 
abnimmt, wodurch zum ersten Male eine unzweifelhafte 
Lebenserscheinung mathematischen in Zahlen ausge¬ 
drückten Gesetzen unterworfen wurde;94 und es fehlt 
nicht an einzelnen Bemerkungen, in denen Müller’s auf¬ 
merksame Kritik sich zeigt. Derart ist sein Bedenken 
gegen Paul Erman’s Versuch über die Volumsabnahme 
des Muskels bei der Verkürzung, daß, da das Aalstück 
nicht unter Wasser zugerichtet wurde, die beobachtete 
Abnahme vielleicht nur auf Rechnung von Luft komme, 
welche in die an den Schnittflächen klaffenden Arterien 
eingedrungen war; ein Bedenken, das später Marchand 
und Hr. Eduard Weber durch Wiederholung des Versuches 
nach Müller’s Vorschrift erledigten.95 
Den höchsten Glanz verbreiteten indes die im Ge¬ 
folge der Bewegungslehre mitgeteilten Untersuchungen 
über die Stimme, und sie vor allem halfen dem , Hand¬ 
buch’ seine hervorragende Stellung erobern. Ihre Voll¬ 
endung fällt in das Jahr 1837; aus dem 'Grundriß der 
Physiologie’ vom Jahr 1827 und dem Verzeichnis der 
von Müller in Bonn gehaltenen Vorlesungen ersieht man 
aber, daß er schon viel früher diesem Gegenstände be¬ 
sondere Teilnahme schenkte. Auch erlosch sie bei ihm 
nicht, wie das sonst wohl der Fall zu sein pflegte, mit 
der Herausgabe des darauf bezüglichen Abschnittes der 
‘Physiologie’. Zwei Jahre später, 1839, ließ Müller 
diesem einen Nachtrag in Form einer selbständigen 
Schrift: ‘Über die Kompensation der physischen Kräfte 
menschlichen Stimmorgan, mit Bemerkungen über 
die Stimme der Säugetiere, Vögel und Amphibien’ folgen, 
“nd sofern daran wieder seine systematischen Studien 
über die Stimmorgane der Passerinen vom Jahr 1845, 
sowie seine letzte physiologische Arbeit, das erst 1856
        

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