Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gedächtnisrede auf Johannes Müller. Gehalten in der Leibniz-Sitzung der Akademie der Wissenschaften am 8. Juli 1858
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28628/47/
Berufung nach Berlin (1833). l8l 
wissenschaftlichen Berufes gehindert werde“. Aber noch 
mehrere Umstände vereinigten sich, Müller’s neue Lage 
zu einer besonders bevorzugten zu machen. Am 10. Mai 
5832 hatte Georges Cuvier, wie jetzt Müller auf der 
Höhe dahingerafft, den Thron der organischen Natur¬ 
wissenschaft leer gelassen. Meckel, dessen altberühmter 
Name einen Augenblick gedroht hatte, Müller gefährlich 
zu werden, starb noch im Jahre von Müller’s Berufung, 
am 31. Oktober 1833. Das zuletzt von ihm heraus¬ 
gegebene ‘Archiv für Anatomie und Physiologie’, 1796 
von Reil in Halle gegründet, wo schon 1790 durch 
Gren das ‘Journal der Physik’ entstanden war, fiel nun 
leicht in Müller’s Hände, und folgte der älteren Schwester¬ 
zeitschrift nach Berlin. Es ward für ihn ein um so mäch¬ 
tigeres Werkzeug der Hegemonie, als zu gleicher Zeit, 
ganz wie es sich für die aus Gren’s ‘Journal’ hervor¬ 
gegangenen ‘Annalen der Physik und Chemie’ ereignete, 
die übrigen deutschen Zeitschriften ähnlichen Inhalts, 
Hrn. Tiedemann’s und der beiden Treviranus’ ‘Zeitschrift 
für Physiologie’, und Heusinger’s ‘Zeitschrift für orga¬ 
nische Physik’, eingingen, so daß über ein Jahrzehnt das 
‘Archiv’ das Feld allein beherrschte. Dem Titel des 
‘Archivs’ fügte Müller die Bezeichnung ‘für wissenschaft¬ 
liche Medizin’ hinzu, und in der Tat war der Zeitpunkt, 
um von der Anatomie und Physiologie aus auf die Me¬ 
dizin zu wirken, ein besonders günstiger. Die Ohnmacht 
der ärztlichen Kunst einer weltverheerenden Seuche gegen¬ 
über hatte das Vertrauen in den Empirismus tief erschüt¬ 
tert, während törichte theoretische Auswüchse, wie die 
Homöopathie, wohl geeignet waren, die besonnenen Ärzte 
auf den Urquell alles ärztlichen Wissens, die Physiologie, 
zurückzulenken, als deren glänzendster Vertreter und 
glücklichster Bearbeiter der jugendliche Müller erschien. 
Sodann, wenn auch der Stoß der Julirevolution noch 
seinen Nachschwingungen gefühlt wurde, war es doch 
bei uns eine Zeit politischen Stillstandes und friedlichen 
Ausbaues gegebener Zustände, wo „die Wissenschft im 
btaatsleben noch eine Geltung besaß, die sie in Zeiten 
Politischer Erregung, vollends kriegerischer Stürme, nur 
jU r^sch verliert. In der von seiten der Staatsbehörde 
er Kunst und den verschiedenen Zweigen des mensch-
        

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