Volltext: Gedächtnisrede auf Johannes Müller. Gehalten in der Leibniz-Sitzung der Akademie der Wissenschaften am 8. Juli 1858 (1)

Brief an Altenstein. 
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<Anat°niie ’ von Hildebrandt gibt eine Zusammenstellung, 
was und von wem etwas in diesem schwierigsten Teile 
der Anatomie geleistet worden. In Deutschland allein 
ist dies vollbracht worden, und unter den Anatomen 
Preußens sind es v. Baer und ich, welche das ihrige hier 
getan, eine Gesellschaft, die mir nur sehr zur Ehre ge¬ 
reichen kann. Ew. Exzellenz kennen die Fortschritte 
unserer Wissenschaft so gut wie wir selbst und beur¬ 
teilen, was dem Zustand der Wissenschaft vor 20 Jahren 
und was heutzutage angemessen ist, Ew. Exzellenz wissen 
diesen Zustand in dem Überblick der anderen Wissen¬ 
schaften wohl noch besser als wir selbst zu würdigen. 
Hochdieselben haben gewiß in Erwägung nehmen wollen, 
ob dieser Impuls der Wissenschaft, auf welchen man in 
Deutschland, Frankreich, England mit freudiger Aner¬ 
kennung hinweiset, nicht auch bei der Besetzung von 
Rudolphi’s Stelle Beachtung verdient. Es könnte nicht 
gleichgültig für den Zustand des wissenschaftlichen Lebens 
bleiben, wenn jemand diesen Sitz einnähme, welcher 
dieser Vervollkommnung der Anatomie und der Physio¬ 
logie gänzlich fremd geblieben ist. Schon Rudolphi war 
ihr fremd geblieben, aber durch Alter, und der hatte in 
seiner Jugendzeit Großartiges genug geleistet. Indem in 
unserem Staate schon durch C. Fr. Wolff vor 80 Jahren 
diese Bahn gebrochen, aber durch unglückliche Verhält¬ 
nisse vergessen wurde, nun aber vorzüglich wieder durch 
Anatomen unseres Staates mit glänzendem und allge¬ 
mein freudig anerkanntem Erfolg durchgeführt worden, 
kann Berlin allein gleichsam die Verpflichtung erfüllen, 
durch seine großartigen Hilfsmittel eine dieses Auf¬ 
schwunges und der ferneren Früchte würdige Stätte ab¬ 
zugeben.78 
„Ew. Exzellenz kennen meine hiesigen Verhältnisse. 
Hochdieselben haben immer gnädig anerkennen wollen, 
wie viel hier mit wenig Mitteln gelungen ist. Befreundete 
des Inlandes und Auslandes und ich selbst halten mich 
für berufen ein großes Institut zu leiten, am hiesigen 
Ort wird sich niemals eine Gelegenheit für meine ganze 
Wirksamkeit eröffnen. Indem ich nun in voller Kraft 
jjes jugendlichen Mannesalters fühle, was ich zu wirken 
fähig wäre, fühle ich mich verpflichtet und gedrungen 
E- du Bois-Reymond, Reden. I. 12
	        
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