Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gedächtnisrede auf Johannes Müller. Gehalten in der Leibniz-Sitzung der Akademie der Wissenschaften am 8. Juli 1858
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28628/40/
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Gedächtnisrede auf Johannes Müller. 
Vorteil nicht der Rücksicht auf das, was er Preußen 
schulde, zum Opfer bringe; worauf der Bevollmächtigte 
in Berlin auf eine ansehnliche Gehaltserhöhung und auf 
Anschaffung eines vorzüglichen Mikroskopes für Müller 
antrug. 
Inzwischen nahte die glücklich entscheidende Wen¬ 
dung für Müller’s Laufbahn. Rudolphi war schwer er¬ 
krankt; und indem die Gewißheit seines baldigen Endes 
in Müller die Hoffnung erweckte, sein Nachfolger zu 
werden, und den höchsten Wunsch seines Lebens erfüllt 
zu sehen, an die Spitze einer großen Anstalt gestellt zu 
sein, hatte sie ihn, wie er'Rust schrieb, außer seiner An¬ 
hänglichkeit für Preußen, vorzüglich bestimmt, den Ruf 
nach Freiburg auszuschlagen. Am 29. November 1832 
starb Rudolphi, und der vornehmste Lehrstuhl der Ana¬ 
tomie und Physiologie in Deutschland war erledigt. 
Die Berliner medizinische Fakultät, die unter ihren 
außerordentlichen Professoren einen berühmten Beobachter 
besaß — Hrn. Ehrenberg —, scheint die Berufung eines 
auswärtigen Lehrers an Rudolphi’s Stelle anfangs kaum 
für nötig gehalten zu haben. Doch war schon eine An¬ 
frage an Hrn. Tiedemann in Heidelberg ergangen, als 
sich, von unerwarteter Seite her, eine gewichtige Stimme 
für Johannes Müller erhob. Hr. Eilhard Mitscherlich 
nämlich, der, durch den ersten Einfall der Cholera aus 
Berlin verscheucht, einen Teil des Winters 1831 —1832 
in Bonn verlebt und Müller an Ort und Stelle tätig 
gesehen hatte, veranlaßte die philosophische Fakultät, 
deren Dekan Hr. Boeckh war, sich bei dem Ministerium 
für seine Berufung zu verwenden. Es sei dies mehr als 
eine bloße Fakultäts-, es sei eine allgemeine Universi¬ 
tätsangelegenheit, die philosophische Fakultät aber be¬ 
sonders dabei beteiligt. Die neuere Zeit habe in der 
Physiologie eine neue Richtung entstehen sehen, die des 
Versuches, durch den neue Erscheinungen geschaffen 
werden. Mit einem bloßen Beobachter sei es nun nicht 
mehr getan. Hr. Tiedemann (der eben mit Leopold 
Gmelin ‘Die Verdauung nach Versuchen’ herausgegeben 
hatte) und Johannes Müller seien die hervorragendsten 
Vertreter jener neuen Richtung. Allein Hr. Tiedemann 
sei nicht mehr jung und in Heidelberg so gestellt, daß
        

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