Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gedächtnisrede auf Johannes Müller. Gehalten in der Leibniz-Sitzung der Akademie der Wissenschaften am 8. Juli 1858
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28628/12/
146 
Gedächtnisrede auf Johannes Müller. 
werde ihm wirklich nicht leicht, seine Feder in den 
Schranken der Geschäftsbehandlung zu halten“. 
Nicht minder wohltuend sind die rege Teilnahme 
und das einsichtige Wohlwollen in den von Hrn. Jo¬ 
hannes Schulze, der mittlerweile in Berlin zu einflußreicher 
Stellung gelangt war, abgefaßten Entgegnungen des Mi¬ 
nisters, und ganz geeignet, uns einen Blick zu eröffnen 
in das Geheimnis der von beiden im Vereine zwei Jahr¬ 
zehnte lang geübten Kunst, die preußischen Universitäten 
mit einer Schar talentvoller und für ihren Beruf be¬ 
geisterter Lehrer zu bevölkern. 
Müller’s erster Aufenthalt in Berlin, bis zur Habilitation 
in Bonn im Jahr 1824. 
Zunächst handelte es sich nun darum, daß Müller 
Gelegenheit werde, in den Sammlungen einer größeren 
Stadt seine Anschauungen zu erweitern, und sich im 
Verkehr mit bedeutenden Männern seines Faches zu ent¬ 
wickeln. Müller strebte nach Paris, als dem damaligen 
Mittelpunkt der Naturforschung; der Minister aber, in¬ 
dem er ihm die von Rehfues beantragte Unterstützung 
gewährte, knüpfte daran die Bedingung, daß Müller sich 
zu seiner Ausbildung für das akademische Lehrfach un¬ 
verzüglich nach Berlin begebe. 
So traf denn Müller hier im Frühjahr 1823 ein, 
und fand bei Rudolphi eine Aufnahme, deren herzerwärmen¬ 
der Eindruck noch durch die Gedächtnisrede klingt, die 
er zwölf Jahre später ihm an dieser Stelle hielt. Andert¬ 
halb Jahre genoß er seinen Unterricht, seinen Rat, seine 
väterliche Freundschaft; Rudolphi, sagt er, habe seine 
Neigung zur Anatomie zum Teil begründet und für 
immer entschieden;14 seiner habe er überhaupt bei allen 
Bemühungen zur Erkenntnis der Natur, ja bei jedem 
Schritte fast in diesem Fortgange, höchst dankbar zu 
gedenken.16 Im anatomischen Museum und, was mehr 
sagen will, in dessen Vorratskammern voll noch ununter- 
suchter Gegenstände, in Rudolphi’s Privatsammlungen, 
seiner einzigen Bibliothek, durfte Müller heimisch werden, 
und als er Berlin verließ, schenkte ihm Rudolphi ein 
englisches Mikroskop, welches, wenn es auch heute sich 
auf keinem Jahrmarkt sehen lassen dürfte, doch zu jener
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.