Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gedächtnisrede auf Johannes Müller. Gehalten in der Leibniz-Sitzung der Akademie der Wissenschaften am 8. Juli 1858
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28628/114/
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Gedächtnisrede auf Johannes Müller. 
verschieden orientierten Gestalten der Spatango'iden und 
Holothurien werden ließ. 
Hatten diese Untersuchungen, in ihrer ersten Ent¬ 
stehung, einen Bezug auf untergegangene Tiergeschlechter 
gehabt, so wurde Müller auch in deren Lauf vielfach 
auf die Vergleichung fossiler Echinodermen hingewiesen 
welche im Eifeier Kalk häufig sind, und ihm durch seine 
rheinischen Jugendfreunde zugingen. Müller’s letzter 
Vortrag in der Akademie, in der Klassensitzung am 
i. März d. J., betraf neue Krinoi'den und Echiniden aus 
der rheinischen Grauwacke und dem Eifeier Kalk.179 
Die Erzeugung von Schnecken in Holothurien. 
In Müller’s Arbeiten über die Echinodermen mitten 
hinein fällt eine denkwürdige Episode, die um so größeres 
Aufsehen machte, je mehr damals die Blicke aller Bio¬ 
logen auf die unter seinen Händen sich entfaltenden 
Wunder der Echinodermen-Metamorphose gerichtet waren. 
Jeder errät, daß von der Erzeugung der Schnecken in 
Holothurien die Rede sein soll. 
Schon während der Osterferien 1851 hatte sich 
Müller in Triest beschäftigt mit einer im feinen Schlamm 
der Bucht von Muggia in 6—8 Faden Tiefe sehr häufig 
vorkommenden Holothurie von der Gattung Synapta 
Eschscholtz, so genannt, weil zahllose äußerst kleine 
Doppelhaken aus Kalk, die genau Schiffsankern gleichen, 
ihre Haut kletten machen. Die Synapta digitata, um 
welche es sich hier handelt, ist wurmförmig, ihre Leibesr 
Wandungen sind durchscheinend, im vorderen Teile blaß 
mennigrot. Sie besitzt die wunderliche Eigenschaft, daß 
ein jedes Stück, an dem noch der unverletzte Kopf sitzt, 
bei unsanfter Berührung sich wie Rumpelstilzchen im 
Märchen selbst zerbricht; daher man das Tier nie ganz 
zu sehen bekommt, sondern dessen mittlere Länge nach 
der Zahl der Kopf- und Schwanzenden schätzen muß, 
die zur Gesamtlänge gehören, welche man durch An¬ 
einanderlegen aller in einem Fange erlangten Bruchstücke 
erhält.180 
Die Synapten sind nach Hrn. de Quatrefages herma- 
phroditisch, während sonst bei den Echinodermen Tren¬ 
nung der Geschlechter Regel ist. Im Frühling hatte
        

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