Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Eduard Hallmann's Leben. Aus dem zweiten Bande seines Werkes über 'Die Temperaturverhältnisse der Quellen' (Berlin, Verlag von Georg Reimer, 1855) abgedruckt
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28626/7/
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Eduard Hallmann’s Leben. 
skopes vervollkommnen, dann nach Paris gehen, und 
endlich nach Berlin zurückkehren, um sich neben der 
Praxis wissenschaftlich zu beschäftigen, und, wenn sich 
die Gelegenheit böte, eine akademische Laufbahn zu 
ergreifen. 
Auf dem Weg nach Belgien wohnte Hallmann in 
Pyrmont der Versammlung deutscher Naturforscher und 
Ärzte bei, und bekleidete das Amt eines Schriftführers 
der Abteilung für Zoologie, Anatomie und Physiologie.2 
Das Ergebnis von Hallmann’s Löwener Studien war 
eine schätzbare Abhandlung ‘Über den Bau des Hodens 
und die Entwickelung der Samentierchen der Rochen’.3 
Aus diesen Beschäftigungen riß ihn plötzlich die 
Nachricht, daß sein Gesuch abschläglich beschieden sei. 
Der Grund lag nur zu sehr auf der Hand. Hallmann 
hatte zwar, sechs Jahre zuvor, den verlangten Purifikations- 
eid in jener politischen Untersuchung geleistet, hatte ihn 
aber früher einmal verweigert; aus welchen Gründen, 
ging aus dem Göttinger Abgangszeugnis leider nicht mit 
genügender Klarheit hervor, und es blieb somit in den 
Augen der diesseitigen Behörden auf Hallmann’s Ver¬ 
gangenheit in politischer Beziehung ein Makel haften, 
den die. höchste sonstige Tüchtigkeit ebensowenig zu 
tilgen vermochte, wie alle Wohlgerüche Arabiens die 
Spur der Untat von Lady Macbeth’s Hand. 
Preußen war also Hau,mann verschlossen; in Han¬ 
nover drohten ihm aufs neue langwierige Prüfungen. 
Unter diesen Umständen faßte er den Plan, sich in der 
freundlichen belgischen Hauptstadt, in deren Nähe er 
sich befand, als Arzt niederzulassen, was mit weniger 
Mühe und Zeitverlust verknüpft schien. Gleichzeitig aber 
reifte in ihm noch ein anderer Entschluß, nämlich der, 
die akademische Laufbahn aufzugeben, die ihm so lange 
als Ziel vorgeschwebt hatte, und sich der Praxis nicht 
nur zur augenblicklichen Aushilfe, sondern dauernd und 
vorzugsweise zu widmen. 
Nach dem Voraufgegangenen ist es nicht leicht, 
Hallmann in die Gründe dieses zweiten Entschlusses zu 
folgen. Es scheint jedoch, daß er in der geistigen Ein¬ 
samkeit, in der er sich den Winter 1839—1840 über in 
Löwen befand, zu der Einsicht gelangt zu sein glaubte,
        

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