Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gedächtnisrede auf Paul Erman. Gehalten in der Leibniz-Sitzung der Akademie der Wissenschaften am 7. Juli 1853
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28625/23/
Gedächtnisrede auf Paul Erman. 
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gewisser Organe beschrieben, ohne imstande zu sein, sie 
auf ihren Grund zurückzu führen.49 
Seit der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts hatten 
zahlreiche Forscher sich bemüht auszumachen, ob eine 
Volumveränderung des Muskels die Zusammenziehung 
begleite, und welcher Art diese Veränderung sei. Man 
wollte dadurch die Theorie der Zusammenziehung prüfen, 
wonach die tierischen Geister die Muskeln aufblähen 
sollten.50 Unabhängig von jeder theoretischen Vorstellung 
mußte diese Frage im Beginn einer genaueren Unter¬ 
suchung der Muskelzusammenziehung sich aufdrängen, 
besonders zu einer Zeit, wo die geringe Zusammen¬ 
drückbarkeit der tropfbaren Flüssigkeiten noch nicht so 
bekannt, und die Unmöglichkeit einer ausgiebigen Volum¬ 
veränderung tierischer Gewebe also auch noch nicht so 
selbstverständlich war wie jetzt. Gruithuisen und Erman 
teilen sich in das Verdienst, hier zuerst die richtige 
Antwort gegeben zu haben. Gruithuisen’s Versuch51 ist 
etwas älter als der Erman’s, aber dieser erweckt weit 
mehr Vertrauen. Erman tat ein aus dem Schwänze eines 
lebendigen Aales geschnittenes Stück in einen gläsernen 
Zylinder, auf den ein Kork paßte, durch welchen eine 
enge Glasröhre ging. Der Zylinder wurde mit soviel 
Wasser gefüllt, daß beim Aufsetzen des Korkes das 
Wasser in der Röhre emporstieg und darin bis zu einer 
gewissen Höhe stehen blieb. Erlitt das Aalstück bei der 
Zusammenziehung eine Volumveränderung, so mußte 
sie sich durch Schwankung dieser Höhe verraten. Die 
Zusammenziehung des Aalstückes war leicht zu bewirken 
mittels des elektrischen Stromes, der ihm durch zwei 
Drähte zugeführt wurde. Der Erfolg war ein geringes 
Sinken des Wassers in der Röhre, entsprechend einer 
äußerst geringen Volumabnahme der Muskeln bei der 
Zusammenziehung.52 Hr. Johannes Müller hat später 
in betreff dieses Versuches bemerkt, daß er wohl un¬ 
zweifelhaft die Grenze der Volumveränderung des Muskels 
angebe, wenn wirklich eine stattfinde, daß man aber noch 
fragen könne, ob nicht bei der Zurichtung des Aalstückes 
in die an der Schnittfläche klaffenden Arterien Luft ein¬ 
gedrungen sei, deren Zusammendrückung eine Volum¬ 
abnahme der Muskelsubstanz vorgetäuscht habe. Ehe
        

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