Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gedächtnisrede auf Paul Erman. Gehalten in der Leibniz-Sitzung der Akademie der Wissenschaften am 7. Juli 1853
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28625/18/
68 Gedächtnisrede auf Paul Erman. 
so sind zwar in den älteren Versuchen von Hrn. Brande30 
und den neueren von Hrn. Hankel81 Andeutungen vor¬ 
handen, daß sie auf ähnliche Art zu erklären sein möch¬ 
ten; genau genommen aber steht hier noch heute, nach 
einem halben Jahrhundert, das Feld der Untersuchung 
offen. 
Von verschiedenen Beobachtern waren die von Zeit 
zu Zeit eintretenden Wechsel in der Wirkungsstärke der 
BEHRENs’schen trockenen Säulen mit Änderungen der 
Luftelektrizität in Verbindung gebracht worden. Erman 
bewies die Nichtigkeit dieser Vermutung. Er zeigte, daß 
die sogenannten trockenen Säulen ihre Kraft nur der 
stets noch darin enthaltenen Feuchtigkeit verdanken; daß 
sie, durch Chlorcalcium getrocknet, unwirksam werden, 
und daß jene Wechsel also nichts mit der Luftelektrizität 
zu schaffen haben, sondern einfach auf Schwankungen 
im Wassergehalt der Luft zu beziehen sind.83 
Hier schließen sich Erman’s Arbeiten über Luft¬ 
elektrizität an, insbesondere über die elektroskopischen 
Anzeigen, welche man im Freien durch Heben und 
Senken wie auch durch wagerechte Bewegungen des 
Elektroskopes in bezug auf ausgedehnte Gegenstände, 
Bäume und Häuser, erhält. Erman verfolgte diese Er¬ 
scheinung, deren Grundzüge schon Coulomb, Cavallo 
und Saussure38 wahrgenommen hatten, mehr ins einzelne, 
und wies mit größerer Bestimmtheit als seine Vorgänger 
nach, daß die durch Bewegung hervorgerufenen elektro¬ 
skopischen Anzeigen nicht von mitgeteilter Elektrizität 
der Luft herrühren, sondern von Änderungen der elek¬ 
trischen Verteilung im Elektroskop. Die verteilende 
Ursache aber verlegte er merkwürdigerweise, wie neuer¬ 
lich wieder Peltier tat,84 statt in die Atmosphäre, in 
die Erde; anstatt jener positive, schrieb er dieser nega¬ 
tive Elektrisierung zu.36 
Erman ist sodann zu nennen als der Entdecker 
jenes ganzen, noch lange nicht genug gekannten Gebietes 
von Erscheinungen, die man als elektrochemische Be¬ 
wegungen der Flüssigkeiten zu bezeichnen pflegt, und 
die geraume Zeit vor Oersted und Ampère ein Beispiel 
von Bewegungen boten, welche, durch Elektrizität bewirkt, 
doch nicht durch deren gewöhnliche Anziehung und
        

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