Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über tierische Bewegung. Im Verein für wissenschaftliche Vorträge zu Berlin am 22. Februar 1851 gehaltene Rede
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28624/18/
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Über tierische Bewegung. 
nach beiden Seiten bis zu den Ohren der Lauscher sich 
mit großer Geschwindigkeit fortgepflanzt habe. Denn ist 
an einer Stelle der feste Zusammenhang des Metalls 
unterbrochen, so geht die Schalleitung durch die unganze 
Stelle nicht mehr vor sich, die Schwingung erlahmt dort 
wie in einer gesprungenen Glocke. 
Sie sehen aus diesem Beispiele, dem sich leicht 
mehrere anreihen ließen, daß eine innere Bewegung, die 
sich zwischen den kleinsten Teilen eines Körpers fort¬ 
pflanzt, ohne daß man äußerlich das Geringste davon 
wahrnimmt, und zu deren ungehemmter Verbreitung 
eine bestimmte Art des Zusammenhanges des Körpers 
gehört, in der übrigen Natur nicht so ganz unerhört ist. 
Unter dem Bilde der Schallschwingung also, oder einer 
Bewegung der kleinsten Teile, mögen Sie sich einst¬ 
weilen auch das Etwas vorstellen, das sich im Nerven 
von der gereizten Stelle zu dem Muskel begibt, und ihn 
zur Zusammenziehung veranlaßt; wovon äußerlich nichts 
bemerkbar wird, und zu dessen Fortpflanzung der natür¬ 
liche Zusammenhang des Nerven gehört. 
Wie aber soll wohl, werden Sie nun mit Recht 
fragen, die zarte Bewegung in den Nerven, der ein ge¬ 
ringes Hemmnis Einhalt tut, in den Muskeln eine Kraft¬ 
anstrengung bewirken, welche Zentnergewichte versetzt? 
Sonst entsteht doch nie Kraft aus nichts, so wenig wie 
Materie; Ursache und Wirkung sind immer gleichwertig; 
eine Uhr gibt in den vierundzwanzig Stunden, während 
sie abläuft, genau die Kraft wieder aus, die zum Auf¬ 
ziehen der Feder verwendet wurde. 
Wenn die Maultiertreiber im Frühjahre durch die 
schneebehangenen Pässe des Gotthard ziehen, nehmen 
sie ihren Tieren die Geläute ab. Kreuze am Wege be¬ 
zeichnen die Stätte, wo eine Lawine das Leichentuch 
solcher ward, die dieser Vorsicht vergaßen. Die un¬ 
merkliche Erschütterung der Luft, die sich von der 
Maultierschelle bis zu den schwebenden Schneemassen 
fortpflanzte, war also scheinbar imstande, Berge von 
Eis und Schnee mit Sturmeseile talwärts zu schleudern. 
Aber in diesem Falle durchschauen Sie leicht den wahren 
Sachverhalt. Jene Massen lagen, wie man zu sagen 
pflegt, auf der Kippe; ein noch so leichter Anstoß und
        

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