Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Morphologie der Schnecke des Menschen und der Säugethiere
Person:
Hensen, Victor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28609/4/
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Dr. V. Hensen, 
ist nichts von einem Periost zu sehen , dazu ist sie in der That zu dilnn, 
doch an den beiden Ansatzstellen sieht man dasselbe auf sie übergehen. 
Auf der freien oberen Flache des big. spirale findet sich auch eine 
Grenzschicht, welche dem Periost gleichwertig sein könnte. Man muss 
zwar schon danach suchen, doch ist die Anwesenheit derselben nicht 
zu läugnen. 
Es würden demnach die beiden Treppen , jede für sich mit einem 
Periost, wie man diese Begrenzungsschicht nun einmal genannt hat, 
ziemlich vollständig ausgekleidet sein. 
Alle früheren Beobachter schildern das Periost erheblich anders, 
sowohl was seinen Bau, als auch was seinen Antheil an der Membrana 
und dem Ligamentum spirale betrifft. Der Unterschied stammt jedoch 
daher, dass unsere Anschauungen durch die Auffindung der Membr. 
Reissneri sich gegen die früher gültigen wesentlich verändert haben. 
Man studirte z. B. früher die Slruetur des Periosts am Lig. spirale, 
welches nunmehr zum Stratum conjunctivum des Canalis cochlearis 
wird gerechnet werden müssen, ferner scheint das Epithel der 
Membrana Reissneri oftmals auf die Knochenhaut bezogen zu sein1). 
Es wird um so mehr erlaubt sein die einzelnen Angaben nicht durch¬ 
zunehmen, als Kölliker2 3) nunmehr ausdrücklich das Epithel des Periostes 
als sehr zweifelhaft hinstellt. Er hält zwar fest, dass er für den Menschen 
auf der Membr, Reissneri ein Periostepithel gefunden habe (auch da muss 
ich es für meine Präparate entschieden läugnen I) , hat es aber in der. 
Schnecke des Ochsen ganz vergeblich gesucht; namentlich spricht ihm 
aber die Entwickelungsgeschichte gegen die Anwesenheit des 
Epithels. 
Es ist allerdings nöthig die Entwickelung der Grenzhaut der Schnecke 
zu kennen, um über seine auch für die anderen Theile wichtigen Verhält¬ 
nisse aburtheilen zu können. Wenn wir das wollen, werde ich freilich 
den Leser tief in die Entwickelung der knöchernen Schnecke und des 
Aquaeductus cochleae hinein führen müssen und leider doch nicht einmal 
den Zweck ganz erreichen. 
Den bestimmten Angaben von Remak®) und Kölliker4) gemäss, 
wächst bei der Entstehung des Labyrinthes ein nur aus dem Epidermis- 
blatt bestehendes Bläschen in die mittlere Keimplalte hinein. Anfänglich 
ist nach Angabe der Autoren die ganze Umgebung eine gleichmassige zel- 
lige Masse, die sich dann zunächst in umhüllenden Knorpel und einfache 
1) Dafür sprechen sowohl die Zeichnungen von Corti und Claudius, als auch die 
Angaben von Deiters, der (Untersuchungen S. 84) die Membr. Reissneri unverletzt 
gesehen, sie aber (wohl ihres hohen Ansatzes wegen) als in toto abgelöstes Epithel 
der Scala vestibuli aufgefasst hat. 
2) Gewebelehre S. 719. 
3) Unters, über die Entwickel. d. Wirbelthiere. Hft. II. S. 75 u. 96. 
4) Entwickelungsgeschichte S. 308.
        

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