Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Morphologie der Schnecke des Menschen und der Säugethiere
Person:
Hensen, Victor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28609/21/
Zur Morphologie der Schnecke der Menschen und der Säugethiere. 501 
longitudinale Nervenbündel berühren (Fig. 17 0). Sieimbibiren sieb stark 
mit Karmin, aber die Stäbchenzelle der Bogen in ganz anderem Maasse 
wie die Corti’sehen Zellen. Dies Verhalten ist mit Rücksicht auf Zapfen 
und Stäbchen der Retina nicht uninteressant. Dem Ende der Stäbchen¬ 
zellen habe ich nicht besonders nachgespürt, weil meiner Ueberzeugung 
nach noch nicht genügende Resultate hier zu erzielen sind. Man hat 
nicht so selten Gelegenheit, variköse Fäserchen an die Zellen herantreten 
zu sehen, aber man kann nichfentscheiden, ob dieselben an der Zelle 
ankleben, an ihr in die Höhe laufen oder in sie hineingehen. Die be¬ 
kannten Stiele der Zellen färben sich'in Karmin wenig und scheinen wie 
die Nerven einen halbflüssigen Inhalt zu haben, mit den Haarzellen habe 
ich sie nie in Verbindung gesehen. Auffallend ist, dass die Zellen recht 
oft an ihrem unteren Ende verletzt sind (Fig. 18c). Es spricht eigentlich 
Vieles dafür, dass die Stäbchenzellen selbst wirklich die Endapparate 
der Nerven sind. 
Die Entwickelung der Papilla spiralis hat Kiüliker1) schon recht voll¬ 
ständig erkannt und beschrieben, die Zeichnungen glaubte ich etwas 
vervollständigen zu dürfen. Nach ihm finden sich zunächst an der be¬ 
treffenden Stelle eine Anzahl langgestreckter, von den Elementen des 
Sulcus durchaus abweichend gebauter Zellen ; aus den beiden inneren 
werden die beiden Bogenfasern, aus den übrigen die Cortf sehen, die 
Haarzellen und »die grösseren hellen Pflasterzellen, die nach Gortis Ent¬ 
deckung die Zona pectinata bekleiden«. Die Entwickelung der Haarzel¬ 
len (Fig. 22 E e) geschieht, wie ich finde, so, dass die ursprünglich cy- 
lindrischen Gebilde sich namentlich nach oben zu verschmälern und 
gestielt in die Phalangen übergehen. 
Entgegen Kölliker, der bereits die Beziehungen zwischen Haarzellen 
und Phalangen erwägt, muss ich behaupten, dass die Membrana reticu¬ 
laris sich gleichzeitig mit den Bogenfasern bildet2). Ebenso muss 
ich in Abrede stellen dass, wie er will, die Membr. reticularis eine Cuti- 
cularbildung sei. Es könnte, was ich aber nicht zu beobachten ver¬ 
mochte, sich bei ihnen vielleicht um verdickte Basalsäume handeln, aber 
wenigstens müsste man dann viel eher die Stäbchen und Platten, 
welche die Löcher der Membrana reticularis auskleiden, als Cuticula be¬ 
zeichnen ; was ich übrigens für verkehrt halten würde. Die gefensterte 
Membran der Vogelschnecke ist gewiss nur das Analogon der Membrana 
Corti. 
Die Stäbchenzellen, die schon beim 22 Cm. langen Rindsembryo eine 
höckerige Oberfläche haben (Fig. 15S/), verschmälern sich bei ihrer Aus¬ 
bildung nach abwärts (Fig. 23 D a) so, dass sie hier gestielt werden. Es 
ist dieser Stiel, der^, ebenso w;ie beim Erwachsenen, sich im Gegensatz 
1) Handbuch S. 708. 
2) Die Phalangen sind schon bei dem Rindsembryo von 22 Cm. deutlich ent¬ 
wickelt.
        

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