Bauhaus-Universität Weimar

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Hans Berger: 
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Bei all diesen drei Annahmen rechnen wir aber mit der experimentellen Feststellung 
am menschlichen E. E. G., daß kurze und niedrige /?-W., mögen sie entstehen wie 
und wo sie wollen, die psychophysischen Vorgänge begleiten. Bei den psycho¬ 
physischen Vorgängen entsteht das, was man nach Kurd Lasswitz1 auch mit dem 
allgemeinen Ausdruck einer psychophysischen Energie vorläufig bezeichnen kann. 
An sie sind unmittelbar die Bewußtseinsvorgänge geknüpft. Diese psychophysische 
Energie wird sofort wieder in andere Energieformen zurückverwandelt und hinter¬ 
läßt so physiologische Spuren in der Form von Strukturänderungen der Hirnrinde 
und des Zentralnervensystems überhaupt. Mit der Zeit erfolgt so ein immer weiter¬ 
gehender Strukturumbau, und werden immer neue psychophysische Vorgänge in 
materieller Form im Hirn hinterlegt. Nur der Weg über diese psychophysische 
Energie führt zu solchen Strukturänderungen der Rinde, die dann bei Wiederholung 
der psychischen Vorgänge den neuen Vorgang maßgebend beeinflussen können. Das 
menschliche Zentralnervensystem, im besonderen die Hirnrinde, erfährt so, wie 
Lieder2 treffend dargelegt hat, im Laufe des Einzellebens eine geschichtliche Ent¬ 
wicklung, die außer durch Krankheitsprozesse nicht wieder rückgängig gemacht 
werden kann ! 
Bei der Beurteilung des Aufwands im Zentralnervensystem für eine einzelne 
psychische Leistung wäre daher auch eigentlich die frühere Aufbauarbeit der dabei 
mitwirkenden Strukturänderungen, wie sie im individuellen Leben erworben worden 
sind, mit in Rechnung zu stellen. Jedenfalls haben wir aber nach dem Ergebnis 
unserer Untersuchungen über das E. E. G. des Menschen materielle Vorgänge von 
äußerst geringer Größenordnung vor uns, an die die psychischen Vorgänge 
geknüpft sind, die doch die wunderbarsten und gewaltigsten Erscheinungen 
auf diesem Erdball darstellen! 
Schrifttum 3 
1. Adrian, E. D. and Matthews, B. H. C., The Berger Rhythm: Potential Changes from the Occipital 
Lobes in Man. Brain, 57, 355. 1934. 
2. Adrian, E. D. and Yamagiwa, K., The Origin of the Berger Rhythm. Brain, 58, 323. 1935. 
3. Bagchi, B. K., The Adaptation and Variability of Response of the Human Brain Rhythm. Journal 
of Psychologie, 3, 463. 1936. 
4. Berger, H., Über das Elektrenkephalogramm des Menschen, 1. Mitteilung. Arch. f. Psych. 87, 
527. 1929. 
5. — Über das Elektrenkephalogramm des Menschen, 2. Mitteilung. Journ. f. Psych, u. Neurol. 40, 
160. 1930. 
6. — Über das Elektrenkephalogramm des Menschen, 3. Mitteilung. Arch. f. Psych. 94, 16. 1931. 
7. — Über das Elektrenkephalogramm des Menschen, 4. Mitteilung. Arch. f. Psych. 97, 6. 1932. 
8. — Über das Elektrenkephalogramm des Menschen, 5. Mitteilung. Arch. f. Psych. 98, 231. 1932. 
9. — Über das Elektrenkephalogramm des Menschen, 6. Mitteilung. Arch. f. Psych. 99, 555. 1933. 
1 Lasswitz, Kurd. Arch, systemat. Phil. 1895, I, 46. 
2 Lieder, Franz, Die psychische Energie und ihr Umsatz, S. 369f. Berlin 1910. 
3 Es sind nur die wichtigsten Arbeiten angeführt.
        

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