Bauhaus-Universität Weimar

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Hans Berger: 
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gewiesen werden, daß sich diese beiden Kurven nicht decken. Es mußte ferner der 
Nachweis erbracht werden, daß nicht etwa Zitterbewegungen des Kopfes an der Ent¬ 
stehung der so regelmäßigen „Alpha-Wellen“, wie ich sie dann im Laufe meiner 
Untersuchungen bezeichnet habe, des E. E. G. beteiligt seien1. Es war ferner bekannt, 
daß auch bei völliger Ruhe eines Versuchstieres sich an seinen Augenmuskeln ein 
ständiger Tonus nachweisen läßt, dessen Muskelströme eine Frequenz von 60 bis 
80 Schwankungen in der Sekunde aufweist. Schon diese Frequenz sprach gegen eine 
derartige Entstehung der Schwankungen des E. E. G. des Menschen. Vorsichtiger 
war es aber doch, auch dahingehende Untersuchungen anzustellen, die diese Mög¬ 
lichkeit ebenfalls ausschließen ließen. Die von mir nicht selten beobachtete Tatsache, 
daß sich das E. E. G. in manchen Fällen nur vom Bereich einer Schädellücke ableiten 
ließ und dann, wenn die Nadeln unmittelbar daneben auf dem unversehrten Knochen 
lagen, keine Kurve zu erzielen war, sprach meiner Ansicht nach eindeutig für die 
Entstehung des menschlichen E. E. G. im Großhirn. Aber auch im Bereich des Gro߬ 
hirns kamen noch ganz verschiedene Entstehungsmöglichkeiten in Frage. Ich erinnere 
daran, daß auch im Tierversuch wiederholt behauptet wurde, daß die sog. Rinden¬ 
ströme der Blutbewegung in den Gefäßen des Großhirns ihre Entstehung verdankten. 
Da mich diese Frage trotz der gegenteiligen Angaben einer Reihe von Forschern, 
die an Tieren gearbeitet hatten, doch immer wieder beunruhigte, habe ich mich 
seinerzeit nochmals zu Tierversuchen entschlossen, von denen die Versuche mit 
Muscarin, auf die ich später zurückkommen werde, die überzeugendsten waren. Es 
konnte dabei nachgewiesen werden, daß die Potentialschwankungen des Großhirns 
bei einer Hündin zunächst weiter bestehen blieben, obwohl das Herz, durch das 
Muscarin geschädigt, nur in großen Pausen noch einzelne Schläge machte, was das 
gleichzeitig geschriebene E. K. G. auswies. Ich habe aber auch beim Menschen 
mich bemüht, die Unabhängigkeit der Schwankungen meines E. E. G. von der zere¬ 
bralen Zirkulation zu erweisen. Aus meinen Untersuchungen über die zerebrale 
Zirkulation war mir ja hinlänglich bekannt, welchen gewaltigen Einfluß Atemände¬ 
rungen auf die Gefäßfülle des Gehirns haben. Zahlreiche Versuche mit Atemände¬ 
rungen — Aussetzen der Atmung, Tiefatmen — bei Gesunden hatten keinen wesent¬ 
lichen Einfluß auf das gleichzeitig aufgenommene E. E. G. Aus eigenen früheren 
Untersuchungen über die Hirnzirkulation und aus den Mitteilungen Mossos war mir 
auch sehr wohl bekannt, welchen deutlichen Einfluß die Einatmung von Amylnitrit 
auf die Hirnzirkulation ausübt. Ich habe mehrere derartige Versuche mit Amyl¬ 
nitrit an mir selbst angestellt, während gleichzeitig mein E. E. G. verzeichnet wurde, 
ohne daß die Schwankungen desselben eine erkennbare Veränderung, vor allem keine 
Höhenzunahme erfuhren. Trotzdem beschloß ich, noch weiteres einwandfreies Beweis¬ 
material beizubringen, falls sich mir Gelegenheit dazu bieten sollte; diese Gelegenheit 
schien mir die Aufnahme des Hirnplethysmogramms zusammen mit dem E. E. G. 
zu gewähren. 
1 Auf die Zusammensetzung der E. E. G.-Kurve aus zwei verschiedenen Schwingungsarten, aus 
größeren und kleineren V eilen oder Wellen erster und zweiter Ordnung, für die ich dann die Bezeichnung : 
„Alpha“- und „Beta“-Wellen, bzw. in abgekürzter Form die Schreibweise: a-W. und ß-W. wählte, 
werde ich im folgenden noch näher eingehen.
        

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