Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Beweise für die leitende Funktion der Neurofibrillen
Person:
Bethe, Albrecht
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit27655/2/
130 
plausibel, wo unsere Kenntnisse von der Histologie dieser Gebilde und 
ihrer allgemeinen Verbreitung noch sehr gering waren und sich diese 
Hypothese lediglich auf einige allgemeine Gesichtspunkte gründete. 
Ich nenne hier Engelmann, Kühne und Pflüger. Seitdem haben 
sich unsere Kenntnisse über die Neurofibrillen, deren Vorhandensein 
früher mehr vermutet wurde, als daß sie bewiesen war, wesentlich er¬ 
weitert. Von keinem der neueren histologischen Befunde kann be¬ 
hauptet werden, daß er der Hypothese von der leitenden Funktion der 
Neurofibrillen widerspräche; im Gegenteil sprechen zahlreiche Beob¬ 
achtungen, besonders solche von Apäthy, sehr zu ihren Gunsten. Zu 
diesen sehr wichtigen, aber doch meist indirekten, histologischen Be¬ 
weisen sind in neuerer Zeit Beweise physiologischer Natur hinzuge¬ 
kommen. Trotz alledem haben die Zweifel an der Richtigkeit der 
Lehre von der leitenden Natur der Neurofibrillen nie aufgehört und 
sind vor kurzem in ganz besonderer Schärfe in einer Arbeit von v. Len- 
hossek1) hervorgetreten. Wer diese Arbeit liest, ohne die sonstige 
Literatur zu kennen, muß allerdings zu dem Resultat kommen, daß 
es mit den Beweisen sehr schlecht bestellt ist2). Da nun v. Len- 
1) Anat. Anzeiger, Bd. 36, 1910, p. 257—276. 
2) Zu gleicher Zeit empfängt der Leser aus der Arbeit v. Len- 
HOSSÉKS ein recht schiefes Bild von der historischen Entwickelung unserer 
Kenntnisse über die Neurofibrillen, denn in der Darstellung v. Len- 
HOSSÉKS spielen eigentlich nur die Epigonen eine Rolle. Was wir Grund! 
legendes über die Eigenschaften der Neurofibrillen im allgemeinen und 
über ihr Verhalten bei Wirbellosen wissen, stammt fast ausschließlich 
von Apäthy. Das Wesentliche über die Neurofibrillen im normalen 
Zentralnervensystem der Wirbeltiere habe ich gefunden zu einer Zeit, 
wo noch die meisten jetzigen Bepflüger dieses Wissensgebietes die 
Existenz der Neurofibrillen überhaupt bestritten. Wesentlich erweitert 
haben sich unsere Kenntnisse durch die Arbeiten anderer nur auf dem 
Gebiet der Entwickelung der Neurofibrillen, der pathologischen Ver¬ 
änderungen an denselben und der peripheren Nervenendigungen. Trotz¬ 
dem wird in vielen Neurofibrillen-Arbeiten weder der Name Apäthy, 
noch der Name Bethe erwähnt, obgleich die Namen späterer Nach¬ 
untersucher auf jeder Seite Vorkommen, und obgleich diesen Ent¬ 
deckungen zugeschrieben werden, die längst gemacht waren. In anderen 
Arbeiten werden wir erwähnt, aber nur zu dem Zweck, um gegen unsere 
theoretische Auffassung zu polemisieren, nicht aber, um uns als Ent¬ 
decker dieser oder jener im Text behandelten Tatsachen zu nennen. 
Im Grunde habe ich gar nichts gegen die Unterdrückung von Namen, 
wenn man nur in gleicher Weise gegen alle verfährt. Aber gegen diese 
ungleichartige Behandlung möchte ich doch protestieren. Hier sei 
wenigstens ein bestimmtes Beispiel angeführt: p. 259 nennt v. Lbn- 
hossek sechs Namen von solchen Autoren, die über die pathologischen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.