Bauhaus-Universität Weimar

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J. Boeke, 
fasern und dem Bindegewebe, bis sie in eine Sarkoplasmaanhäufung ein- 
treten. Sie können dabei auch wieder durch einfache Durchbohrung der 
Wand in eine andere Nervenröhre hineingeraten, sie können einen retrograden 
Verlauf annelnnen usw. Die Schwann sehen Röhren selber verhalten sich 
dabei, abgesehen von der Anziehungskraft, welche durch das Protoplasma 
der Büngnersehen Bänder auf die herumziehenden Nervenfasern ausgeübt 
wird, vollkommen passiv. Von einer Formveränderung der Röbren ist 
keine Rede, nur degeneriert ein Teil und geht zugrunde (1. c. p. 137, 138). 
Wenn eine Faser durch die Wand der Röhre hindurchtritt oder Kollateralen 
durch die Wand hindurchschickt, geschieht das nach der Darstellung Tel los 
ohne die geringste Veränderung der Röhrenwand. 
Schon die Abbildungen Tellos lassen einen Zweifel an die Richtigkeit 
dieser Darstellung aufkommen. Auch fragt man sich, wie diese Vorstellung 
sich verbinden lässt mit dem von Gajal in seiner Abhandlung über den 
Neurotropismus (71) aufgestellten Gesetz der Unfähigkeit der regenerierenden 
Fasern, durch eine Membran hindurch zu dringen („Incapacidad de las libras 
nerviosas para atravesar membranas. Hemos visto, que todo nervio degene- 
rado se neurotiza por su Inleo y no à través del neurilema“ 1. c. p. 130). 
Nach Cajal diffundieren dabei auch die neurotropisch wirkenden Stoffe 
nicht durch die Nervenscheiden. Aber durch welche Kraft angezogon und 
auf welche Weise können dann die regenerierenden Nervenfasern quer durch 
die Wand hin aus der Sch wann sehen Röhre hinaus oder in sie hinein¬ 
dringen? Und schliesslich stösst man, wenn man eine Anzahl von Regenera¬ 
tionspräparaten untersucht, und wenn man versucht, die Form und Gestalt 
der regenerierten Endplatten und der Nervenendfasern von dem oben skiz¬ 
zierten Standpunkte aus zu analysieren, immer wieder auf Schwierigkeiten, 
deren Diskussion hier jedoch ohne eine grosse Anzahl von Abbildungen un¬ 
möglich ist; darum verweise ich den Leser auf meine oben angeführte Arbeit. 
Meiner Ansicht nach muss dann auch die Lehre nach zwei Richtungen 
hin reformiert werden, will sie den Erscheinungen Rechnung tragen können: 
1. Die Schwannschen Röhren verhalten sich nicht passiv, sondern 
wachsen aktiv aus. „Offene“ Enden dieser Röhren gibt es nicht. 
2. Die Nervenfasern verlaufen nicht nackt in den Gewebsspalten. 
Für die erste These können manche Belege angeführt werden. Erstens 
fand ich bei sorgfältigster Behandlung der mit Kern- und Protoplasmafarb¬ 
stoffen nachbehandelten Präparate trotz eifrigstem Suchen niemals ein wirk¬ 
liches offenes Ende einer Schwannschen Röhre. Zwar findet man (ausser 
durchschnittenen Röhren) hie und da Stellen, wo die Röhre, ohne durch¬ 
schnitten zu sein, aufhört, aber dann sieht man das Ende entweder ganz 
allmählig auslaufend bis zur Stelle, wo die feinen Linien der Röhrenwand un¬ 
sichtbar werden und das Sarkolemma einer Muskelfaser erreicht ist, in welshes 
die feinen Begrenzungslinien, oft ein wenig auseinander gehend, in sanften
        

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