Bauhaus-Universität Weimar

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J. Bo ek e , 
8. Die Überbrückung grosser Nervenlücken. 
Während es bei den zur Untersuchung der autogenen Regeneration 
angestellten Experimenten gerade darauf ankam, eine klaffende, nicht zu 
überbrückende Nervenlücke zu schaffen, so sind hingegen zur Überbrückung 
grosser Nervenlücken besonders in den letzten Jahren eine Reihe von Me¬ 
thoden empfohlen und während . des Krieges zur praktischen Anwendung 
gebracht worden. In vielen Fällen gelingt es durch Verlagerung der Nerven- 
stümpfe oder Abspaltung einzelner Bündel (Lappenplastik) die Nervenenden 
einander zu nähern und direkt durch Naht zu vereinigen. Es bleiben aber 
bei grossen Verwundungen Fälle übrig, bei denen der Defekt so gross ist, 
dass andere Wege eingeschlagen werden müssen. Bis zum Beginn des Welt¬ 
krieges lagen auf diesem Gebiete fast nur experimentelle Erfahrungen vor. 
Im Kriege ist das natürlich anders geworden, und eine Reihe neuer Methoden 
wurden für therapeutische Zwecke empfohlen. Uns interessieren hier nur die 
allgemeinen Ergebnisse dieser Versuche und ihre physiologische Bedeutung. 
Ausführlich werden alle diese Methoden besprochen in der grossen 
Arbeit von Bielschowsky und Unger aus dem Jahre 1917, auf welche 
ich den Leser verweisen will. Hier werde ich nur die physiologisch wichtigen 
Beobachtungen und Experimente zur Sprache bringen. 
Die Versuche Hofmeisters (135), den proximalen und distalen Nerven¬ 
stumpf in einen gesunden Nerven der Nachbarschaft einzupflanzen, damit der 
gesunde Nervenstrang neben seiner eigenen Leitung auch die Verbindung 
zwischen den beiden Stümpfen des verletzten übernehme, gingen von der 
irrtümlichen Voraussetzung aus, dass das gesunde Nervengewebe eine leitende 
Verbindung mit den Stümpfen angehen könne. Mit Recht heben Biel¬ 
schowsky und Unger hervor, dass das nur der Fall sein könne, wenn 
ein Teil des gesunden Nerven zur Degeneration gebracht wird, und dann ist 
der Versuch zu einem Transplantationsversuch im Sinne Merzbachers 
und Forsmanns zurückgebracht. Wohl kann das perineurale Bindegewebe 
des gesunden Nervenstranges als Leitgewebe den regenerierenden Nervenfasern 
den richtigen Weg zeigen, falls sich natürlich kein Amputationsneurom an 
der Einpflanzungsstelle entwickelt. Ranschburg hat (nach Bielschowsky 
und Unger) die Ergebnisse von Hof meist er einer scharfen Kritik unter¬ 
zogen und meint, die Resultate Hofmeisters seien von Faktoren, welche 
ausserhalb des Operationsplanes lagen, abhängig gewesen. 
In anderer Richtung bewegen sich die Experimente, welche For sman n 
(107) am Ende seiner Arbeit über den Neurotropismus beschreibt, und die 
sich anschliessenden Versuche von Bethe (34), Hohmann (137), Spiel¬ 
meyer (137, 261), Enderlen und Lobenhoffer (99), Eden (94), Biel¬ 
schowsky und Unger (42), Tello (283 a) und Ingebrigtsen (145), bei 
denen, wie es schon früher von Merzbacher (200) und Marinesco (184)
        

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