Bauhaus-Universität Weimar

500 
J. B o e k e, 
Poscharisky (227), während, wie schon erwähnt, von Tello (279) derartige 
abortive frühzeitige Regenerationsprozesse an den motorischen Endplatten 
beschrieben wurden. Auch diese Autoren geben jedoch alle mit Bestimmtheit 
an, dass es sich hierbei nur um vorübergehende, . agonale Prozesse handele, 
welche mit einer wirklichen Regeneration und Wiederherstellung der Funktion 
nichts zu schaffen haben. 
Sind nun diese abortiven Regenerationserscheinungen für die Theorie 
der autogenen Regeneration zu verwerten? Meiner Ansicht nach nicht, denn, 
wie erwähnt, sind alle Autoren darüber einig, dass es sich hier nur um vor¬ 
übergehende agonale Erscheinungen handelt, welche mit Recht von Cajal 
mit den agonalen Erscheinungen des von seinem Kerne getrennten Protoplasma¬ 
teiles merotomisierter Infusorien verglichen wird. 
Wesentlich anderer Natur sind die Auswachsungserscheinungen am peri¬ 
pheren Nervenstumpfe, welche vonBethe schon in 1903 und nach ihm von 
anderen Anhängern der Kettentheorie beschrieben wurden. Nach Bethe 
(28, p. 213, 31, p. 434) ist es charakteristisch für ausgewachsene Nerven- 
stümpfe, dass sie fast nie stumpf enden, sondern in eine, öfters in mehrere 
lange Spitzen ausgezogen sind. Diese oft fadenförmigen Gebilde enthalten 
neben perineuralem Bindegewebe viele Nervenfasern, und diese Gebilde findet 
man nun auch am peripheren Nervenstumpfe. Bei jungen sowie bei er¬ 
wachsenen Individuen findet man fast nie den peripheren Stumpf an der 
Durchschneidungsstelle einfach abgerundet, sondern man sieht ihn zu einer 
oder zu mehreren Spitzen ausgezogen; häufig ist auch eine deutliche Ver¬ 
dickung unterhalb der Spitze zu beobachten, welche ihrer ganzen Struktur 
nach als echtes Neuron zu bezeichnen ist. Besonders an den peripheren 
Nervenstümpfen junger Tiere sind nach Bethe die fadenförmigen Ausläufer 
manchmal recht lang (1—2 cm). Sie enthalten, „wenn eine stärkere autogene 
Regeneration eingetreten ist“ (Bethe, 1. c. p. 214) neben perineuralem Binde¬ 
gewebe eine mehr oder weniger reichliche Menge markhaltiger Nervenfasern. 
Bei erwachsenen Tieren erreichen diese von der Durchschneidungsstelle aus¬ 
gehenden Ausläufer meist nur eine geringe Länge (bis zu 1 cm). Man findet 
in ihnen neben Bandfasern reichlich Achsialstrangfasern. Nach Bethe ist 
dies ein Beweis dafür, dass die Fasern des peripheren Stumpfes gerade so 
über die Durchschneidungsstelle hinauswachsen wie die des zentralen Stumpfes, 
nur ist die Wachstumsenergie bei ihnen geringer als bei jenen. Das Wachs¬ 
tum geht von den sich in reger Vermehrung befindenden Schwannschen 
Zellen des peripheren Nervenstumpfes aus. Die gleiche Betrachtungsweise 
finden wir später bei Henriksen. Sie führt uns auf einmal in das Zentrum 
des Kampfes um die autogene Regeneration.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.