Bauhaus-Universität Weimar

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J. B o ek e, 
tumskoeffizient des Axons. Trotz dieser für die frühzeitige Neurotisierung 
des peripheren Endes so günstigen Bedingungen findet dieselbe nicht vor 
dem siebenten oder achten Tage statt. Die abwegigen und desorientierten 
Fasern dringen nicht in das periphere Ende; sie ziehen blindlings in der Rich¬ 
tung des geringsten Widerstandes und gelangen so in extranervöse Gegenden 
der Wunde, wo sie auf ganz kapriziöse Weise sich entwickeln und verzweigen 
(Cajal, 1. c. p. 142). Ca;jal meint, es genüge nicht, hier zur Erklärung aut 
den Mangel orientierender chemotaktischer Substanzen hinzuweisen; man 
müsse im Gegenteil annehmen, dass während der Anfangsphase im peripheren 
Segment entweder negative chemotaktische Substanzen oder nur mechanische 
Hindernisse existierten. 
Ganz kurz erwähnt sei hier schliesslich noch die in diesem Segment 
auftretende Bildung von Seitensprossen, kollateralen kurzen Neurofibrillen¬ 
zweigen usw. 
c) Indifferentes Segment und Übergangssegment. Es ist die 
Strecke des zentralen Nervenstumpfes zwischen dem metamorphen Segment 
und dem Ursprung des Nerven. Es bleibt ziemlich unverändert, aber zeigt 
ganz nahe der metamorphen Gegend, d. h. im Übergangssegment manchmal 
die gleichen Spuren neubildender Reaktion, Bildung von Seitensprossen, kolla¬ 
teralen kurzen Neurofibrillenzweigen usw., wie im zweiten Segment. 
Zweitens ist für den Mechanismus der Regeneration eine eigentümliche 
Erscheinung von Wichtigkeit, welche zuerst von Perron ci to (226) beschrieben 
wurde und von Cajal zu Ehren ihres Entdeckers Perroncitosches Phä¬ 
nomen genannt wird, und das sich an den Enden der dicken markhaltigen 
Axonen (welche gegenüber traumatischen Einwirkungen viel empfindlicher 
sind als die mittleren und dünnen) bei ausgewachsenen oder fast ausge¬ 
wachsenen Tieren zu zeigen pflegt. 
Dieses Phänomen besteht in einer Auffaserung und Spaltung der Neuro¬ 
fibrillen des Axonendes, gepaart mit einer starken Bildung kollateraler 
Neurofibrillensprossungen, mit Wachstumskeulen oder Endringen versehen. 
Die Sch wann sehe oder He nie sehe Scheide (wir werden das im folgenden 
Abschnitt noch näher zu diskutieren haben) erscheint am Faserende ge¬ 
schlossen, und innerhalb dieser Scheide bilden nun die kollateralen und ter- 
minalenNeurofibrillenzweige, in regem Wachstum begriffen, die mannigfachsten 
und kompliziertesten Windungen und Spiraltouren, welche sich denken 
lassen, bis die eigentümlichen Bildungen entstehen, von denen ich in Fig. 3 
einige Beispiele gebe. Wie schon oben gesagt wurde, werden wir in einem 
folgenden Abschnitt noch auf diese Bildungen zurückzukommen haben. Hier 
will ich nur erwähnen, dass sie in jüngster Zeit von Marinesco (188) in 
grosser Anzahl in den Neuromen bei Verwundeten oder nach Amputationen 
aufgefunden wurden.
        

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