Bauhaus-Universität Weimar

Nervenregeneration und verwandte Innervationsprobleme. 
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beschrieben. Nach Tello (279) findet man absolut keine Veränderung inner¬ 
halb der Sohlenplatten nach dem Verschwinden des Neurofibrillengerüstes 
ausser einer Vermehrung des Sarkoplasmas. „Les vieilles plaques motrices .. . 
n’offrent d’autre altération qu’une augmentation de la substance fondamentale 
de la plaque et par conséquent celle-ci apparait trouble (1. c. S. 139).“ Von 
einer Kernvermehrung ist keine Rede, wenigstens nicht in dem Masse wie 
in dem übrigen Teil der Muskelfaser (nach Tello liegt die Sohlenplatte ausser¬ 
halb des Sarkolemms). Cipollone (87) hält die Sohlenkerne, obwohl von 
muskulärem Ursprünge, dennoch für individualisierte und stark differenzierte 
zelluläre Elemente, welche mit der Entartung der motorischen Elemente zu¬ 
grunde gehen und dabei einen chemotaktischen Einfluss auf die regressiven 
Produkte der Axolysis 'ausüben (1. c. S. 173). Die Kerne verschwinden etwas 
später als die nervösen Bestandteile der motorischen Platte. 
Meine eigenen Beobachtungen über diese Frage lassen sich folgender¬ 
weise zusammenfassen: Die ersten wahrnehmbaren Veränderungen innerhalb 
der Sohlenplatte treten, abgesehen von dem Verschwinden des periterminalen 
Netzwerkes, erst ziemlich spät auf. Erst wenn das Neurofibrillengerüst in einzelne 
Trümmer auseinandergefallen ist, sieht mau das charakteristische Bild der 
degenerierten Sohlenplatte, ein leeres, körnig aussehendes Sarkoplasmafeld 
mit ringsum gelagerten grossen blassen Kernen. Manchmal scheinen einige 
zentral gelagerte Kerne (vielleicht solche, die sich zu Telodendrienkernen 
differenziert hatten) zugrunde zu gehen. Aber dann scheinen die bewahrt 
gebliebenen Kerne sich amitotisch zu vermehren. Andeutungen mitotischer 
Kernteilungen bei den Sohlenkernen habe ich nie gefunden. Aber mau findet 
bei fortgeschrittener Degeneration immer mehr Kerne innerhalb der Sohlen¬ 
platte als im Anfang der Degeneration. Ich habe bei den leeren Sohlenplatten 
der Zungenmuskelfasern uach Durchschneidung des Hypoglossus bis zu 
36 Kerne, in einem doppelten Kreise um das kernlose Zentrum der degenerierten 
Sohlenplatte gelagert, zählen können. Das Sarkoplasma selbst wird körnig und 
nimmt zu, wohl im Anschluss an die Sarkoplasmavermehrung der atrophischen 
Muskelfasern. Diese Vergrösserung der Sohlenplatte scheint nach ungefähr 
14 Tagen ihr Maximum zu erreichen. Nachher bleiben dann die Sohlen¬ 
platten weiter unverändert, bis die Regeneration der nervösen Elemente beginnt. 
Schliesslich muss ich noch einmal auf die schon auf S. 477 erwähnten 
äusserst wichtigen Veränderungen zurückkommen, welche sich bei dem 
Degenerationsprozess in dem peripheren Abschnitt der Nervenfasern in den 
Kernen und Zelleiberu der Schwann sehen Scheide abspielen. 
Schon in den fünfziger Jahren berichteten Lents (165) und Hyelt (143) 
über Kernvermehrung innerhalb der Sch wann sehen Scheide nach Durch¬ 
schneidung des Nerven, aber erst Büngner (65) 1891 und unabhängig 
von ihm Huber (139) 1892 beschrieben die mitotische Vermehrung der 
Schwannschen Kerne in dem degenerierenden peripheren Nervenabschnitt 
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