Bauhaus-Universität Weimar

Nervenregeneration und verwandte Innervationsproblemo. 
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15. Theoretische Interpretationen der Neurofibrillenmetamorphose und 
der Regenerationserscheinungen. 
Dass die meisten Theorien über das Wesen der Regenerationserscheinungon 
uns aus dem Reiche der wirklich beobachteten Erscheinungen in das mehr 
spekulative Gebiet der auf meistens sehr schwacher Basis aufgebauten Systeme 
der Struktur der lebendigen Substanz führen, ist bei den grossen Schwierigkeiten, 
welche uns das Feststellen der feineren histologischen Details bereiten, und 
bei unserer Unkenntnis über das Wesen der fibrillären Differenzierung, leicht 
zu verstehen. Wenn man noch immer darüber uneinig ist, ob die Neuro¬ 
fibrillenstränge im Protoplasma liegen oder als selbständige Gebilde in den 
Interstitien des Bindegewebes weiterwachsen, bleiben theoretische Erörterungen 
über das Wesen dieser Neurofibrillen doch sehr spekulativer Natur. Und sogar 
was die anscheinend so klaren Begriffe des Neurotropismus und des Neuro- 
kladismus betrifft, so lassen sie uns doch im Stiche, wenn wir sie mit einer 
bestimmten Auffassung über das Wesen der Neurofibrillenmetamorphose zu 
verbinden suchen. Bielschowsky und Unger haben ja doch eigentlich 
vollkommen Recht, wenn sie sagen, dass, wenn wir eine besondere vitale 
Affinität oder Zielbestrebung für die auswachsenden Neurofibrillensträngo und 
für jeden einzelnen insbesondere annehmen, deren mystischer Charakter da¬ 
durch doch nicht klarer wird, wenn man ihr in der Nomenklatur ein der 
Chemie entlehntes Mäntelchen umhängt. 
Ich werde dann auch die theoretischen Betrachtungen über das Wesen 
der Regenerationserscheinungen hier nur kurz behandeln, und nur auf die 
Erörterungen Marinescos und Heids etwas ausführlicher eingehen, weil 
sie sich am besten an die wirklich beobachteten Erscheinungen halten. 
Während Apathy (14), an die alten Engelm an nschen Begriffe der 
Inotagmen anschliessend, die Neurofibrillen aus Reihen von Neurotagmen 
aufgebaut sein lässt, welche sich aus dem Protoplasma differenzieren und so 
gross sein sollen, dass die feinsten Elementarfibrillen, welche noch eben 
sichtbar sind, aus einer Reihe von länglichen Neurotagmen bestehen, knüpft 
Cajal seine Betrachtungen über das Wesen der Neurofibrillenmetamorphose 
an die sich schliesslich in derselben Richtung bewegenden allgemeinen Proto¬ 
plasmatheorien der kleinsten Einheiten an. Er fragt sich (70), ob das Neuron 
eine vollkommene Individualität vorstellt, oder eine Mehrheit unbegrenzt vieler 
Elemente, welche jedes für sich ein persönliches Leben führen und fähig sind 
während einer gewissen Zeit ohne die Mitwirkung der anderen zu existieren, und 
er meint, die Transformationsvorgänge des Neurofibrillenretikulums stimmen 
besser zu der Theorie der physiologischen Einheiten (physiological units von 
Spencer, Pangene von de Vries, Biophore von Weismann usw.) als zu 
der Zelllehre Virchows im engeren Sinne. Nach Cajal weisen die Meta¬ 
morphosenerscheinungen des Retikulums — so die Aussendung neugebildeter 
A sber- Spiro, Ergebnisse der Physiologie. XIX. Jthrgang. 37
        

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