Bauhaus-Universität Weimar

Nervenregeneration und verwandte Innervationsprobleme. 
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Für die allgemeine Regenerationsfrage sind solche Fälle von grosser Be¬ 
deutung, weil sie ein Argument liefern für die Anschauung, dass sich im 
Bindegewebe um die ursprünglichen End Verästelungen herum ein typisches 
Geleitgewebe entwickelt, das auch hier imstande ist, den regenerierenden 
Nervenfasern den richtigen Weg zu zeigen, und zweitens, weil aus ihnen 
hervorgeht, dass auch hier die ihrer Innervation beraubten Muskelfasern einen 
neurotaktischen Einfluss auf die regenerierenden Nervenfasern ausüben. Dass 
gerade die in das muköse Bindegewebe auswachsenden Hypoglossus* 
fasern dieser Anziehungskraft gehorchen, könnte vielleicht auf Rechnung 
ihrer Eigenart von motorischen Fasern gesetzt werden. 
b) Verbindung des zentralen Lingualis mit dem peripheren 
Hypoglossus. 
Für die allgemeine Regenerationsfrage ist diese Verbindung vielleicht 
noch wichtiger als die vorher behandelte, weil hier die Lingualisfasern ge¬ 
zwungen werden1) in einem völlig differenzierten Gewebe, welches die quer¬ 
gestreiften Muskelfasern, in welchem die normalen Nervenfasern zu typischen, 
wohl charakterisierten Endungen auswachsen, vorstellen, ihre Endveräste¬ 
lungen auszubilden. Auch bei diesen Versuchen geht der Regenerations¬ 
prozess langsamer und schwieriger vonstatten, aber schliesslich kam doch 
bei einer Anzahl von Tieren (es wurden in dieser Versuchreihe ungefähr 
70 Tiere operiert) die feste Verwachsung zustande und erreichten die Lingualis¬ 
fasern das Endgebiet des Hypoglossus. Und ebenso wie die in die Lin- 
gualisbahn eingedrungenen Hypoglossusfasern am Ende dieser Bahn End¬ 
verästelungen innerhalb der Mukosa bildeten, werden auch hier durch die 
auswachsenden regenerierenden Lingualisfasern Endverästelungen auf den 
Muskelfasern geformt. Auf die histologischen Details dieser Endorgane werde 
ich hier nicht näher eingehen. Nur sei hier angeführt, dass, wenn man 
diese Endverästelungen auf den Muskelfasern genau studiert, man sieht, 
dass sie zwar eine in manchen Punkten abweichende Gestalt zeigen, im all¬ 
gemeinen jedoch den gleichen Habitus, die gleichen allgemeinen Eigenschaften 
besitzen, wie sie die regenerierenden Endorgane des Hypoglossus bei der 
Regeneration nach einfacher Durchsclmeidung des Hypoglossus auf weisen. 
Auch hier wachsen die Endorgane hypolemmal in die Sarkoplasmaanhäufung 
der alten Sohlenplatte hinein, welche auch bei der homogenen Regeneration 
einen neurotropisehen (neurokladischen) Einfluss auf die auswachsenden rege¬ 
nerierenden motorischen Nervenfasern ausübt. Auch hier verästeln sie sich 
in typischer Weise auf den Muskelfasern, und obwohl diese Verzweigungen 
von etwas abweichender Gestalt sind (es herrschen im allgemeinen mehr weit 
ausschweifende, draht- oder straugförmige Gebilde vor, wie in der Fig. 19), 
') Für die Technik der Operation usw. verweise ich auf meine ausführliche Abhandlung.
        

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