Bauhaus-Universität Weimar

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Der Erfolg schien die Voraussetzung zu bestätigen, denn 
Anfang October haite ich Gelegenheit, meinem Vater auf der 
Anatomie in Hannover die Endplatten vom frischen Pferdeauge 
genommen zeigen zu können. Einige Tage später gelang die 
Auffindung in den Augenmuskeln des Menschen unmittelbar 
nach der Hinrichtung. Es mag hierbei bemerkt werden, dass 
die stark mit interstitiellen Fettkörnchen durchsetzten Muskel¬ 
fasern der meisten Hospitalleichen die allerungeeignetsten 
Objecte zur Aufsuchung von Endplatten sind. Doch ist mir 
die Darstellung aus dem M. zygomaticus eine Stunde nach 
dem Tode öfters gelungen. 
Es war nun die Aufgabe, einen Muskel aufzufinden, an 
dem zu jeder Zeit die Demonstration möglich und leicht wäre. 
Demzufolge untersuchte ich die Augenmuskeln immer kleinerer 
Thiere: Bind, Kalb, Schwein, Schaf, Hund, wobei die Auf¬ 
findung der Endplatten im Allgemeinen bequemer wurde, und 
fand endlich im M. retractor bulbi der Katze ein ausgezeich¬ 
netes Object. Auch bei kleineren Hunden kann man diesen 
Muskel eben so gut benutzen. 
Endplatten in anderen Muskeln aufzusuchen, habe ich 
noch nicht Zeit gefunden. Was die Dimensionen betrifft, 
so ist es selbstverständlich, dass die Endplatten am frischen 
Präparat gemessen werden müssen, da sie in verdünnten Säuren 
aufquellen, in doppelt-ehromsaurem Kali schrumpfen. Daher 
können nur für den Menschen, das Huhn und die Katze die 
an Augenmuskeln gewonnenen Mittelzahlen, als auf einer hin¬ 
länglich grossen Reihe von Einzelmessungen beruhend, unten 
angegeben werden. Indessen ergibt sich schon aus meinen 
fragmentarischen übrigen Beobachtungen die bisher ausnahms¬ 
lose Regel, dass die Dimensionen der Endplatten in einem 
bestimmten Verhältniss stehen zur Dicke der zugehörigen 
Muskelfaser. Durchschnittlich umgreifen sie etwa Y4—V3 des 
Umfanges derselben. Ihre Dimensionen steigen vorzugsweise 
mit dem absoluten Durchmesser der Muskelfaser, in gerin¬ 
gerem Masse mit der Körpergrösse des Thieres. Im Allge¬ 
meinen sind die Schwankungen aber sehr gering. 
Bei der Katze haben die Endplatten im Mittel 0,04—0,05 Mm. 
Durchmesser, die Länge schwankt zwischen 0,038 — 0,076, 
die Breite zwischen 0,023 — 0,043; die Dicke beträgt im 
mittleren Theil der Platte 0,006—0,008. Auf die Ermittelung 
der wahren Dicke habe ich an Profilansichten viel Sorgfalt 
verwandt, was bemerkt werden soll, weil man bei ungenauer 
Einstellung des Focus die Dicke beträchtlicher zu schätzen 
geneigt ist (Fig. 8, b.). An Präparaten in doppelt-ehrom-
        

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