Volltext: Die Biologische Versuchsanstalt in Wien. Zweck, Einrichtung und Tätigkeit während der ersten fünf Jahre ihres Bestandes(1902-1907), Bericht der zoologischen, botanischen und physikalisch-chemischen Abteilung. (1. Fortsetzung) (1)

Die Biologische Versuchsanstalt. 
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geht in der Weise vor, daß man, wenn sich in einem der betreffenden 
Lockgläser eine größere Anzahl von Fliegen gesammelt hat, ein 
leeres Glas (Fangglas) mit einer über seine Mündung gelegten 
Glasplatte rasch auf die Öffnung des Lockglases stürzt, die Glas¬ 
platte etwas herauszieht und mit den beiden Gläsern eine solche 
Stellung nimmt, daß das Fangglas dem intensiveren Lichte zuge¬ 
wendet wird. Durch leichtes Schütteln können alle Insassen des 
Lockglases binnen kurzer Zeit in das Fangglas verjagt werden. 
Ist dies erreicht, so schiebt man die Glasplatte wiederum vollstän¬ 
dig zwischen die beiden Öffnungen der aneinandergebrachten 
Gläser; nun stellt man das Lockglas an die ursprüngliche Stelle 
behufs neuer Fliegenansammlung zurück, während man die ins 
Fangglas gejagten Fliegen ihrer Bestimmung zuführt. 
Alle Fliegenzuchten werden im Herbst und im Winter auf einer 
Temperatur von durchschnittlich 20° C. erhalten. 
Die unberufenen Gäste, wie Spinnen, Tachinen, Schlupf¬ 
wespen, Aas-, Speckkäfer und andere schmarotzende Insekten, 
müssen von Tag zu Tag energisch bekämpft werden. Hauptsäch¬ 
lich gilt dies von den Tachinen und Schlupfwespen, die sich oft 
besonders in der Zucht von großen Fliegen massenhaft einstellen 
und durch Legen ihrer Eier in die Puppen die ganze Zucht zu ver¬ 
nichten drohen. In solchen Fällen ist das radikale und zugleich 
beste Mittel, die ganze Zuchtanlage mit siedendem Wasser zu ver¬ 
nichten und sie frisch anzulegen. 
Jeder Fliegenzucht muß eine bestimmte Ruhezeit (ca. 1 Monat) 
gewährt werden, infolge dessen ist es, um nicht im strengen Winter 
im Stiche gelassen zu werden, ratsam, zwei oder mehrere Zuchten 
mit gleichen Zuchttieren zu begründen. 
Die Tenebrioniden (Tenebrio molitor, T. obscurus, Gnatho- 
cerus cornutus) werden in Holzkisten wie Tinea gezüchtet. Zu 
diesem Zwecke verwendet man ferner auch mit durchlöcherten 
Blechplatten bedeckte Tongefäße, und zwar große irdene Töpfe, 
Ton- und Steintröge. Da der Bedarf zu jeder Jahreszeit ein unge¬ 
mein großer ist, sind im Laufe der Zeit bei 20 „Mehlwurm“-Zuchten 
in Räumlichkeiten von verschiedenen Wärmegraden (10°, 17°, 23°, 25°, 
35° C.) errichtet worden, so daß zu jeder Zeit ein genügendes Futter¬ 
material zur Verfügung steht. In jeden der genannten Behälter (Fig.8) 
kommt bei Neuanlage der Zucht eine nur etwa 1 cm hohe Schichte 
Kleie, welche sich allerdings mit der Zeit durch Anhäufung der 
Reste des regelmäßig zugeführten Futters wesentlich erhöht. Auf 
diese Schichte kommt ein Holzbrett zu liegen, welches 5—10 cm 
kürzer und schmäler ist als der Innenraum der Kiste selbst und an 
Zeitschrift für biologische Technik und Methodik I. 
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