Volltext: Die Biologische Versuchsanstalt in Wien. Zweck, Einrichtung und Tätigkeit während der ersten fünf Jahre ihres Bestandes(1902-1907), Bericht der zoologischen, botanischen und physikalisch-chemischen Abteilung. (1. Fortsetzung) (1)

346 
Dr. H. Przibram. 
Kante zwischen dieser und einer Querwand um etwa 8 cm vorragt 
(„Anflugbrettchen“) und deren obere Wand entfernt und durch 
einen verschiebbaren Deckel ersetzt wird. Jene Querwand ist in 
der Mitte unmittelbar an dem Anflugbrettchen mit einer kleinen 
halbkreisförmigen Öffnung („Flugloch“) versehen, welche den 
Tieren das Ein- und Ausgehen ermöglicht. Auch kann hier ein 
zweites etwas modifiziertes Modellkistchen in Anwendung kommen. 
Dieses Modell unterscheidet sich von dem soeben geschilderten nur 
durch das Fehlen des Anflugbrettchens und durch die Anbringung 
des Flugloches in dem oberen Teil der Querwand dicht unter dem 
verschiebbaren Deckel. Warum das Anflugbrettchen bei der zweit¬ 
genannten Konstruktion fehlen darf, soll sogleich erklärt werden. 
Die Übertragung des Hummelnestes muß binnen kürzester Zeit 
samt der darunter befindlichen Erde, und zwar stets spät abends, 
wenn die ganze Familie beisammen ist, vorgenommen werden. Hat 
man zu diesem Zwecke das zuerst beschriebene Modell verwendet, 
so stellt man das Kistchen, nachdem man zuvor dessen Flugloch 
verstopft hat, samt den Insassen an einem sonnigen etwas erhöhten 
Orte auf, bedeckt es unter Freihaltung von Flugloch und Anflug¬ 
brettchen mit Moos oder Rasen und läßt es 1 */g Tage zugestopft, 
bis sich die Familie ihr gestörtes Heim entsprechend einrichtet und 
sich daran gewöhnt. Spät abends entfernt man schließlich den 
Pfropf. Benützt man das zweiterwähnte Kistchen, so wird es an 
einem ebenfalls sonnigen Orte bis zum Flugloch in die Erde ein¬ 
gegraben und der Deckel mit Moos belegt. Es trägt ferner noch 
dazu bei, die Hummeln in den Kistchen heimisch zu machen, wenn 
man das ganze Nest nach seiner Übertragung in das Kistchen mit 
Wasser befeuchtet und jenes einige Tage an der Fundstelle des 
Nestes stehen läßt. Ist die Übertragung gut gelungen, so bleiben 
die Tiere in der Regel in dem neuen Heim. 
Ganz ähnliche Kistchen können für die Haltung von tief in 
der Erde wohnenden Hummeln und Wespen benützt werden. Nur 
bedient man sich nunmehr hoher Kistchen, und hier ist es eine 
Querwand, welche den verschiebbaren Deckel vorstellt. Das Flug¬ 
loch wird unmittelbar an den Deckel grenzend in einer Längswand 
oder mitten im Deckel selbst gemacht. Das Kistchen wird nach 
der Übertragung der Wespen bis zu der Türe, also in entsprechend 
aufgestellter Lage in die Erde versenkt und — ausgenommen die 
Öffnung — mit Erde verschüttet. Die anzuwendenden Maßregeln 
für zuverlässige Einbürgerung sind hier die nämlichen wie für die 
muldenbewohnenden Hummeln.
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.