Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Biologische Versuchsanstalt in Wien. Zweck, Einrichtung und Tätigkeit während der ersten fünf Jahre ihres Bestandes(1902-1907), Bericht der zoologischen, botanischen und physikalisch-chemischen Abteilung
Person:
Przibram, Hans
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit27439/9/
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Dr. H. Przibram. 
Anpassung der Tierfarben an den Grund, also die eigentliche 
Schutzfärbung ist durch die einfache Methode der Variierung der 
Umgebungsfarben anzufassen. Kämmerer (1908 Tier und Boden¬ 
farbe) erhielt auf dunkler Erde wenig, auf heller stark gelbge¬ 
fleckte Feuersalamander; eine Analyse der wirksamen Faktoren 
ist im Gange. Die Farben der Gottesanbeterinnen erwiesen sich nach 
den Versuchen Przibrams (1906 Sphodrom., 1907 Mantis) als un¬ 
abhängig vom einwirkenden reflektierten oder durch farbiges Glas 
fallenden Lichte; ebenso von der Nahrung, da die grüne Farbe 
auch an Tieren auftrat, die nie Chlorophyll zu essen bekommen 
hatten, von Finsternis, Feuchtigkeit und anderen Faktoren. Meist 
war der Farbwechsel der Mantiden ein morphologischer, in der 
Pigmentbildung liegender, nur selten ein physiologischer, durch 
Kontraktion von Chromatophoren zu erklären. Einen solchen zeigten 
bloß junge Mantis religiosa, die in Kälte erzogen und dann grellem 
Sonnenlichte ausgesetzt wurden. Die scharfe Unterscheidung 
zwischen morphologischem und physiologischem Farbwechsel läßt 
uns gewisse sonst rätselhafte Ergebnisse über die Beziehung von 
Farbanpassung zum Sehorgan minder unverständlich erscheinen. Als 
physiologischer Farbwechsel gibt sich durch rasche Veränderlich¬ 
keit die Anpassung sehender Krevetten an den Grund nach Fröh- 
lichs, von Winkerkrabben nach Megusars (1908 Augen Winker¬ 
krabbe) Versuchen zu erkennen. Dasselbe Phänomen tritt bei den 
Fischen, so an der Bartgrundel, Nemachilus, bei Secerows Ver¬ 
suchen (vorläuf. mitget. bei Kämmerer 1908 Tier und Bodenfarbe) 
auf. Im Finstern werden die Krebse rötlich, Fische, z. B. Hechte 
nach Mayerhofer blaß. Einen viel merkwürdigeren Einfluß hat 
aber die Blendung. Werden der Krevette oder der Winkerkrabbe 
beide Augen entfernt, so tritt nunmehr im Laufe der Häutungen 
völlige Abblassung ein. Es scheint also der physiologische Farb¬ 
wechsel aufzuhören und endlich das Pigment selbst zu schwinden. 
Wir erhalten jetzt Tiere von der Fai-be der bleichen Höhlenformen, 
die ja auch der Augen, mithin des Lichti-eizes entbehren. Bei den 
Fischen tritt jedoch nicht sofort der Schwund des Pigmentes ein, 
sondern es verwischt sich zunächst der Unterschied zwischen Ober¬ 
und Unterseite; erst später schwindet bei dunkelgehaltenen geblen¬ 
deten Tieren das Pigment. Es ist nun wahrscheinlich, daß der morpho¬ 
logische Fai'bwechsel bei den Wirbeltieren teilweise direkt vom 
Lichte abhängt, da ja auch der Grottenolm mit nxdimentären Augen 
am Lichte die dunkle Hautfarbe seiner sehenden Wrwandten wieder¬ 
erlangt. Freilich könnte an einen Einfluß der rudimentären Augen
        

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