Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Biologische Versuchsanstalt in Wien. Zweck, Einrichtung und Tätigkeit während der ersten fünf Jahre ihres Bestandes(1902-1907), Bericht der zoologischen, botanischen und physikalisch-chemischen Abteilung
Person:
Przibram, Hans
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit27439/8/
Die Biologische Versuchsanstalt. 
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Krebsen und der Verzögerung durch Verlust an Emmels Hummern 
wurde bis zu einem gewissen Grade von Zuelzer (1907 Wachstums- 
geschw.) an Wasserasseln durch Zuhilfenahme der Maßmethode be¬ 
friedigend aufgeklärt. 
Die Probleme der Funktionen, z. B. die Richtungsbestimmung 
des Laufens der Insekten, oder das Leuchten des Leuchtkäfers 
interessieren mehr die vergleichende Physiologie als die Biologie. 
Doch ist die Anwendung analytischer Methoden für ihre Erforschung 
auch dem Biologen in Hinblick auf ihre Verknüpfung mit vielen 
Problemen der Deszendenz und namentlich der funktionellen An¬ 
passung von Wichtigkeit. Wenn Steinach im Gegensätze zu ge¬ 
wissen neuen Arbeiten das Wesen des Leuchtens bei Lampyris durch 
variante Sauerstoffversuche unzweifelhaft als Oxydation nachweist 
(vorläuf. mitget. bei Przibram 1908 Grundfragen), so wird die Ab¬ 
leitung des Organes von den tracheendurchsetzten Fettpolstern des 
Hinterleibes der Malakodermen und von der funktionellen Anpassung 
an den Flug beim Lampyris splendidula-Männchen, sowie an den 
Fettreichtum des ungeflügelten Weibchens wesentlich erleichtert. 
Die Korrelation zwischen primären und sekundären Geschlechts¬ 
organen kann durch die Methoden der Kastration, Transplantation und 
Injektion von Organextrakten geklärt werden. Mit solchen Versuchen 
an Fröschen ist Halban, an Tritonen Bresca bei uns beschäftigt. 
Der weite Begriff der Anpassung bietet dem Eingreifen des 
Experimentes ein ergiebiges Feld. Hadzi konnte experimentell den 
Vorteil der Symbiose zwischen Hydra viridis und Alge nachweisen, 
Kämmerer (1907 Libellenlarve, 1908 Wasserjungferlarven, Zu¬ 
sammenleben, Lebensgemeinschaften, Symbiose) beobachtete ein 
gleiches an Libellenlarven mit Fadenalgenbehang. 
Die Bedingungen für die Wirksamkeit von Selektionsvorgängen 
kann durch schrittweise experimentelle Nachprüfung ihrer Prämissen 
erprobt werden. Versuche Przibrams (1908 Grundfragen) lassen 
die Wirksamkeit des Stachels und der Warnfarben bei den Hymenop- 
teren als lebenerhaltendes Element problematisch erscheinen, da 
Wespen und Bienen von Eidechsen, Kröten und Raubinsekten ver¬ 
zehrt werden; ebenso natürlich auch die angeblich nachahmenden 
Glasflügler. Hingegen spucken Laubfrösche die Wespe wieder aus, 
außer man beraubt letztere des Stachels. Nach Kämmerer (1906 
Rundschau) genössen freilich mimetische Formen dann Schutz, 
wenn die Feinde des gleichen Fundortes verwendet werden, welche 
Gelegenheit zur persönlichen Erfahrung gehabt haben. Es müßte 
nun geprüft werden, inwieweit Individualerinnerung mitspielt. Die
        

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