Bauhaus-Universität Weimar

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JAHRGANG XXXX. 
1890. 
HEFT TH BIS IX. 
Neubau des physiologischen Institutes der Universität Marburg. 
(Mit Zeichnungen auf Blatt 19 bis 23 im Atlas.) 
(Schluß.) 
In Bezug auf die Construction des Gebäudes ist zunächst 
dessen Gründung bemerkenswerth. Durch Bodenuntersuchungen 
wurde festgestellt, dafs unter der oben aufgefüllten Erdmasse 
eine durchschnittlich 2,50 m starke Schicht von sehr feinem, 
lehmigem Sande, und darunter, nahezu wagerecht gelagert, eine 
Schicht von Gerölle aus groben und kleineren Sandsteinstttcken, 
in Kies und Sandsteintrümmem gebettet, folgte. Stellenweise 
verlor sich die zusammenhängende Schicht, und es fanden sich 
nur gröfsere Steinstücke zwischen der oberen Erdmasse und der 
unter der ganzen Gerölleschicht sich vorfindenden Triebsand¬ 
schicht von etwa 2,8 m Mächtigkeit. Erst in 5 m Tiefe unter 
der jetzigen Kellersohle wurde der aus feinem und grobem Kies 
bestehende gute Baugrund gefunden. Probebelastungen der auf¬ 
gefundenen oberen Gerölleschicht ergaben deren Haltbarkeit unter 
einem Druck von 3,40 kg auf das Quadratcentimeter, doch wa- 
ren die Proben von nur verhältnifsmäfsig kurzer Dauer und 
bestand für diese Eälle der günstige Umstand, dafs die untere 
Triebsandschicht nach keiner Seite hin ausweichen konnte. Nach 
mehrfachen Erwägungen und vergleichenden Kostenberechnungen 
wurde bestimmt, dafs, nachdem die Umfassungsmauern des 
Institusgebäudes bis auf die untere, zweifellos tragfähige Kies¬ 
schicht hinabgeführt seien, die von denselben alsdann fest ein- 
gesehlossene Triebsandschicht vermittelst der Vorgefundenen Ge- 
rölleschicht und einer über die ganze Fläche des Innenraumes 
ausgebreiteten Kiesschüttung von 1 m Stärke zum Tragen der 
Innenwände unbedenklich herangezogen werden könne. Bei der 
Ausführung wurde eine große Erdbewegung erforderlich, denn 
es mufste die Gerölleschicht über die Fläche des ganzen Insti¬ 
tutsgebäudes einschL eines Arbeitsraumes von 0,5 m um das 
Gebäude herum blofsgelegt werden. Dio darauf lagernden Erd¬ 
massen fanden zur Auffüllung des Grundstückes hinter der 
chirurgischen Klinik vortheilhaft Verwendung. Von dieser Fläche 
abwärts wurden die Fundamentgruben der Umfassungsmauern 
zwischen Spundwänden abtheilungsweise ausgehoben und erfolgte 
die Gründung innerhalb des Grundwassers durch Betonschüttung, 
darüber durch gewöhnliches Bruchsteinmauerwerk in hydraulischem 
Kalkmörtel. Die in der unteren Triebsandschicht vielfach auf¬ 
tretenden groben Steinblöcke verzögerten das Hinabtreiben der 
Spundwände, und es war behufs Beseitigung der Steine das Aus¬ 
pumpen der Fundamentgruben meistens nicht zu umgehen, ob¬ 
schon beabsichtigt war, den Triebsand im Grundwasser durch 
Sackbagger zu heben, um den mittleren Erdblock durch Wasser- 
entziehung nicht in Bewegung zu bringen. Mit dem Fort¬ 
schreiten der Hochführung der Grundmauern wurde zunächst der 
zwischen den Spundwänden eingebrachte kräftige Ausbau ent¬ 
fernt, sodann, nachdem die Spundwände selbst herausgezogen, mit 
ganz besonderer Sorgfalt für den dichten Anschluß des inneren 
Erdblockes an die Umfassungsmauern gesorgt. Ebenso wurde 
die feste Lagerung des Kieses durch schichteweises Einschläm¬ 
men bei reicher Wasserrieselung und Feststampfen angestrebt 
Die Grundmauern der Innenwände sitzen 1,20 m unter Keller- 
Zeitschrift f. Bauwesen. Jahrg. XXXX. 
(Alle Hechte Vorbehalten.) 
sohle auf dieser Kiesschüttung auf, ihre Grundflächen sind so 
angeordnet, daß durchgehende ein gleicher Druck auf die Un¬ 
terlage erzielt wurde. Die Grundmauern des Treppenhauses mit 
dem hohen Oberlichtschachte erfuhren daher ^eine wesentliche 
Verbreiterung gegen die ersten Pläne. Das Wohngebäude 
konnte, da es bergwärts vom Institutegebäude gelegen ist, mit 
genügender Sicherheit auf der oberen Gerölleschicht, die, ohne 
sie durch Angraben zu schwächen, in- ihrer ganzen Stärke 
benutzt wurde, gegründet werden. 
Gegen das Aufsteigen der Grundfeuchtigkeit wurde in Höhe 
der Kellersohle eine 1 cm starke Asphaltisolirschicht auf die 
Mauern gelegt und die zu verschüttenden Theile der äußeren 
Kellerwände wurden nach deren vollständigem Trockenen mit 
einem zweimaligen Asphaltgoudron-Anstrich verwahrt. Durch Vor¬ 
blendung in Backstein haben die Innenflächen der Kelleraufsen- 
mauem eine 6 cm breite Luftisolirschicht erhalten, deren in 
bestimmten Schichten und Abständen angeordnete Binder in 
Asphaltgoudron getaucht sind. Im übrigen bestehen die Außen¬ 
mauern aus Bruchsteinmauerwerk mit Verblendung aus großen 
und tief einbindenden Sandsteinwerkstücken, deren hintere Flächen 
unbearbeitet blieben. Alle Innenmauem sind in Backstein aus¬ 
geführt Zur Sicherung der Fußbodendielung auf Eichenholz¬ 
lagern wurden letztere auf zwei Backsteinschichten hohen, oben 
asphaltirten Pfeilern angeordnet und die ganzen Flächen darunter 
zuvor mit einer 5 cm starken Betonschüttung und Ziegelflach¬ 
schicht in verlängertem Cementmörtel versehen. Zur Lüftung 
des unter der Dielung befindlichen Luftraumes dienen Canäle 
in den Seitenwänden, die, über dem Fufssockel mit Drahtver¬ 
gitterung versehen, sich nach dem Zimmer öffnen (Abb. 7). Die 
Abb. 7. Lüftung des Luftraumes unter der Dielung. 
Ansaugung des Zimmerofens, welcher durch Klappenstellung im 
Sockel gezwungen werden kann, seine zum Brennen nöthige 
Luft aus dem Baume unter der Dielung zu entnehmen, bewirkt 
das Ausschöpfen der dort befindlichen Luft und das Nachströmen 
der Zimmerluft durch die vergitterten OefEnungen in den Seiten¬ 
wänden, wodurch außerdem eine wohlthuende Erwärmung des 
Fußbodens erzielt wird. Die Oefen stehen dabei auf Sandstein¬ 
platten, und die Luftzuführung in den Sockel erfolgt hinten 
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