Bauhaus-Universität Weimar

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entzündet werden, doch war bisher auch ohne Anwendung 
dieses Mittels die Ventilation eine vollkommen ausreichende. 
Eine detaillirte Beschreibung der höchst interessanten 
inneren Einrichtung findet sich in der vom Herrn Professor 
A. E. Jendrässik verfassten Monographie: «Das neue 
physiologische Institut an der Universität zu Budapest», 
gedruckt 1877 in der königlich ungarischen Universitäts- 
Buchdruckerei daselbst. 
Der Bau wurde im Juli des Jahres 1873 begonnen 
und im Herbste des Jahres 1875 seiner Bestimmung 
übergeben. 
Hinsichtlich der Ausführung desselben ist zu bemerken, 
dass der Sokel, ferner sämmtliche stärker ausladenden 
Gesimse, sowie auch alle Treppen aus Stein, das übrige 
Mauerwerk aber aus Ziegeln hergestellt wurde. 
Das Souterrain erhielt durchweg eine gewölbte Decke. 
Im Erdgeschosse sind sämmtliche Gänge und das 
Vestibule gewölbt, alle übrigen Räume aber mit stuccatorten 
Holzdecken versehen. 
Die Deckenkonstruktion zwischen dem Erdgeschosse 
und ersten Stockwerke ist in der Weise hergestellt, dass 
die Balken-Enden nicht auf den Mauern, sondern auf den 
unteren Flanschen eiserner I-Träger, die von den Haupt¬ 
mauern zu den Mittelmauern reichen, aufruhen. 
Für die Dacheindeckung wurde rother englischer 
Schiefer verwendet. 
Die Baukosten der ganzen Anlage beliefen sich in 
runder Summe auf fl. 300.000, wovon auf die Maurer- und 
Steinmetzarbeiten allein in Folge der durch den ungünstigen 
Untergrund bedingten tiefen Fundirung volle zwei Drittheile 
entfielen. 
K, k. önologisches und pomologisches In¬ 
stitut in Klosterneuburg bei Wien, 
Vom 
^Architekten ~8manuel Hitter Xrojan von ^Bylanow, 
k. k. Oberbaurath. 
(Hiezu Tafeln Nr. 42-—44.) 
Der schon seit Jahrhunderten durch die berühmten 
stiftlichen Weingärten und deren Produkte bekannte Wein¬ 
ort Klosterneuburg wurde bereits im Jahre i860 von der 
k. k. Landwirthschafts-Gesellschaft in Wien ausersehen, um 
daselbst eine niedere Weinbauschule zu begründen. 
Von Erfolg begleitet, wurde dieselbe im Jahre 1863 
als niederösterreichische Landes-Lehranstalt erklärt und als 
solche am 1. Februar dieses Jahres eröffnet. 
Nach einem zehnjährigen Bestände als Landesanstalt 
wurde dieselbe von Seite des k. k. Ackerbau-Ministeriums in 
staatliche Verwaltung übernommen. 
Als nämlich im Jahre 1873 die Errichtung einer 
höheren önologischen und pomologischen Lehranstalt be¬ 
schlossen worden war, war die Wahl des Ortes auf Kloster¬ 
neuburg gefallen in Anbetracht seiner passenden Lage als 
einer der ersten Weinorte Niederösterreichs, in Betracht 
ferner der grossen Weingärten des Stiftes, der mannigfachen 
Anlagen der früheren niederösterreichischen Landes-Obst- 
und Weinbauschule in önologischer und pomologischer 
Beziehung, ferner des Vorhandenseins der k. k. chemisch¬ 
physiologischen Versuchsstation für Obst- und Weinbau, 
der permanenten Ausstellung von Weinbau- und Keller- 
geräthen etc., welche günstigen Umstände eine Vereinigung 
von Lehrmitteln bilden, wie sie für den vorgehabten Zweck 
nicht leicht wieder zu finden waren. 
Bis zum Jahre 1877 waren die Räumlichkeiten für die 
Anstalt diejenigen der früheren niederösterreichischen 
Landes-Obst- und Weinbauschule im alten Stiftsgebäude, 
welche von Seite des Stiftes Klosterneuburg derselben in 
gastlicher Weise unentgeltlich überlassen wurden. 
Da die überlassenen Räume des Stiftes wohl für Schul¬ 
zwecke, aber nicht für die chemischen Laboratorien taug¬ 
lich waren, da auch mit der Reorganisation der Anstalt 
eine Erweiterung des Unterrichtes beabsichtigt war, und 
' anderseits das Stift Klosterneuburg den Wunsch zu erkennen 
gab, die Räume für andere Zwecke in Benützung nehmen 
zu können, ergab sich die Nothwendigkeit, durch einen 
Neubau dem Bedürfnisse an zweckmässigen Räumen für 
das neue k. k. önologische und pomologische 
Institut, welches in sich sowohl die frühere Obst- und 
Weinbauschule, als auch die k. k. chemisch-physiologische 
Versuchsstation zu vereinigen hätte, vorzusorgen. 
Das Stift Klosterneuburg fand sich bereit, einen Bau¬ 
grund in der Nähe des Bahnhofes, unterhalb der nach 
Klosterneuburg führenden Strasse, in einem Ausmaasse von 
2 Joch 660 Quadratklaftern dem k. k. Ackerbau-Ministerium 
unentgeltlich zu überlassen, welcher Baugrund jedoch, vom 
technischen Standpunkte aus betrachtet, eine sehr geringe 
Eignung für den Zweck besass. 
Nach dem ursprünglich genehmigten Bauprojekte sollte 
das Gebäude nebst einem Souterrain-Geschosse und dem 
Hochparterre noch zwei Stockwerke erhalten, und war das 
zweite Stockwerk zunächst für Museumsräume und einige 
Naturalwohnungen bestimmt. 
Bei Inangriffnahme des Baues zeigte sich sofort die 
schlechte Beschaffenheit des Baugrundes in vollem Maasse; 
nebst der an der Baustelle schon ursprünglich zu Tage 
getretenen ergiebigen Quelle, deren Wasser ungefasst und 
ungeleitet in das umliegende Erdreich versickerte und das¬ 
selbe auf die Tiefe von Klaftern in einen Morast verwan¬ 
delte, zeigte sich nach Abgrabung und Aushebung des 
Erdreiches noch eine bedeutende Menge von anderen Quellen, 
die von dem nahen sogenannten Spitalberge in geringerer 
oder grösserer Tiefe über den hügeligen Bauplatz der 
Niederung zuflossen und das Erdreich aufweichten. 
Bei der Gefahr von Abrutschungen des hinterliegen¬ 
den Hügels konnten sonach die tiefen Fundamente nur 
unter grossen Vorsichtsmassregeln ausgehoben und mussten 
dieselben sofort ausgemauert werden. 
Der früh eingetretene Winter des Jahres 1875 sistirte 
die im September begonnenen Bauarbeiten, welche sich in 
Folge der besprochenen Schwierigkeiten im Ganzen auf die 
Herstellung von einigen Grundmauern und Aushebung der 
übrigen Fundamentsgruben beschränkten. 
Durch unausgesetztes, Tag und Nacht durch den 
ganzen Winter fortgesetztes Pumpen des Wassers aus den 
Fundamentgruben und von dem Bauplatze war es nicht 
möglich, das Wasser aus den vielen unterirdischen Quellen 
zu bewältigen, und als im Frühjahre 1876 in Folge einge¬ 
tretener warmer Tage die angehäuften grossen Schneemassen 
rasch zu schmelzen begannen, war der ganze Baugrund in 
einen See verwandelt, aus welchem nur die aufgeschlich¬ 
teten Materialvorräthe theilweise hervorragten. 
Man sah, dass an ein Ausschöpfen des Wassers aus 
der Fundamentgrube und vom Bauplatze nicht zu denken 
war, insolange nicht die Quellen selbst aufgefangen sein 
würden, und bestand somit die erste Arbeit im Früh¬ 
jahre 1876 in der Anlage von Sickerschlitzen längs der 
Berglehne bis zum Gebäude, in welche 4 bis 5 Fuss tiefe 
Gruben Drainageröhren gelegt und diese mit losem Schotter 
und dann festem Erdmateriale angefüllt wurden. 
Sämmtliche Sickerschlitze endigten in den sogenannten 
Sickerbrunnen an der Rückseite des Gebäudes (siehe Profi\AB), 
von dem aus das angesammelte Wasser durch einen gleich¬ 
zeitig hergestellten 90 Klafter langen Wasserlauf in den 
Weidlingbach abfloss. 
Auf diese Weise war es möglich, die Quellen, deren 
es gegen 30 gegeben hatte, aufzufangen, bevor dieselben 
die Baustelle erreichten, und wurde es weiter thunlich, die 
Fundamentgruben, sowie überhaupt die Baustelle durch 
aufgestellte Schöpfwerke vom Wasser nach und nach zu 
befreien. 
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