Bauhaus-Universität Weimar

54 
worden, Cementguss ist nur an ganz geschützten Stellen 
zur Anwendung gekommen. 
Für das Hauptvestibule im Nordtrakte ergaben sich 
durch die Terraindifferenzen des Bauplatzes grössere Höhen 
als für das des Südtiaktes, und dadurch die römisch-jonische 
Säulenordnung unter den Kreuzgewölben, gegenüber der 
dorischen des hinteren Vestibule’s. Die Säulen sind aus 
dem goldbraunen Osloperstein und polirt. Die beiden früher 
genannten Pfeiler und Säulenstiegen sind in geschliffenem 
Mannersdorfer Kalkstein ausgeführt und die dreiarmige 
Säulenstiege zur Dienstwohnung des Kommandirenden 
auch sonst reicher behandelt und dekorirt. Im Repräsen¬ 
tations-Saal und seinen anschliessenden Räumen ist eine 
angemessene Ausstattung durchgeführt worden. Die Archi¬ 
tektur des Saales ist in Stuckmarmor ausgeführt, der 
Plafond kassettirt und vergoldet, Marmorkamine, Bronze¬ 
lusters und reiche Malerei und Vergoldung fehlen nicht. 
Der Bau wurde im Herbste des Jahres 1871 begonnen 
und im November 1874 übergeben. 
Die gesammten Baukosten und Einrichtungen an 
Zentralheizung, Gas- und Wasserleitung, Möblirung der 
Repräsentations-Räume und Kanzleien u. s. w. belaufen sich 
auf nicht ganz fl. 1,450.000. 
Wien, im Februar 1880. 
Das physiologische Institut an der Uni¬ 
versität zu Budapest, 
^Architekten ’SzJialnitiJi^ und K^ocl)- 
t 
(Hiezu Tafeln Nr. 39—41.) 
Ein ausgedehntes, dem Studienfonde gehöriges Grund¬ 
stück in Pest (der sogenannte alte botanische Garten) wurde 
dazu ausersehen, die verschiedenen naturwissenschaftlichen 
Institute der königlich ungarischen Universität in Budapest, 
welcher dermalen von der Regierung und Volksvertretung, 
wie dem Unterrichtswesen überhaupt, erhöhte Sorgfalt 
gewidmet wird, in selbständigen, jedoch von einander 
nicht allzu entfernten Gebäuden unterzubringen. 
Dieses Grundstück bildet nach der bereits vollzogenen 
Regulirung ein längliches Viereck, dessen schmälere Seiten 
einerseits von der Museumringstrasse, anderseits von der 
dazu parallel laufenden Eszterhäzygasse, die Langseiten 
aber von Nachbargrundstücken begrenzt werden. 
Mit Rücksicht auf die bei stark befahrenen Strassen 
unvermeidlichen Erschütterungen, welche gewissen physika¬ 
lischen und chemischen Arbeiten, namentlich aber allen 
feineren Messungen in hohem Maasse hinderlich sind, wurde 
dem im Anfänge der 1870er Jahre erbauten chemischen 
Laboratorium die Mitte des ganzen Grundstückes ange¬ 
wiesen. 
Dieselben Motive waren auch für die fernere Dispo¬ 
sition maassgebend, wonach für das physikalische und das 
physiologische Institut die nach der wenig befahrenen 
Eszterhäzygasse gelegene Seite gewählt wurde, während 
für das mineralogisch-geologische und das zoologisch-ver¬ 
gleichend-anatomische Institut die an der mehr belebten 
und namentlich vom Wagenverkehre stark in Anspruch 
genommenen Museumringstrasse gelegene Seite reservirt 
wurde. 
Das zunächst nach dem chemischen Laboratorium 
zur Ausführung gelangende Gebäude war das physiologische 
Institut, dessen gegenwärtiger Leiter, der hervorragende 
Fachgelehrte, Professor A. E. Jendrässik, seitens des 
Ministeriums mit der Ausarbeitung des Bauprogrammes 
betraut wurde und in jeglicher Hinsicht als Schöpfer der 
ganzen Anlage zu betrachten ist. 
Die kurz vor Beginn des Baues beschlossene Durch¬ 
führung einer nach der ganzen Länge des Grundstückes 
von der Museumringstrasse bis zur Eszterhäzygasse reichen¬ 
den, jedoch dem Wagenverkehre zu verschliessenden 
Querstrasse, sichert dem Gebäude nicht nur eine von 
allen vier Seiten freie, der Luft und dem Lichte unge¬ 
hinderten Zutritt gewährende Lage, sondern ermöglichte 
es auch, die einzelnen Laboratorien in einer solchen Weise 
anzuordnen, wie dies mit Rücksicht auf das für einige 
derselben erforderliche direkte Sonnenlicht oder die unbe¬ 
dingt nothwendige Isolirung von allen Erschütterungen es 
wünschenswerth erscheinen liess. 
Der Eingang in das Gebäude liegt an der nordöst¬ 
lichen Seite desselben, dem, für das noch zu erbauende 
physikalische Institut reservirten, Terrain gegenüber. 
Die Einfahrt von der Strasse aus wird für beide 
Institute eine gemeinschaftliche sein. 
Wie aus den hier mitgetheilten Plänen ersichtlich ist, 
wurde beim physiologischen Institute nur der Gassentrakt 
stockhoch aufgeführt, während der grössere Theil des 
Gebäudes nur aus einem Souterrain und einem um etwas 
mehr als 2 Meter über dem Strassenniveau erhöhten Erd¬ 
geschosse besteht. 
Letzteres enthält die beiden Hörsäle (wovon der 
grössere 200 Zuhörer fasst), verschiedene Nebenräume, die 
Laboratorien, eine Bibliothek, ein Museum, und zunächst 
dem Eingänge eine Portierloge für einen der Saaldiener 
und eine Wohnung für den Mechaniker. 
Das Souterrain enthält eine mechanische Werkstätte, 
eine Maschinenkammer, die Zentralheizung, alle zu gröberen 
Arbeiten dienenden Räume, verschiedene Magazine und 
Dienerwohnungen. 
Die Wohnungen des Lehrpersonales nebst den Schreib¬ 
und Privat-Arbeitsstuben desselben befinden sich im ersten 
Stocke. Zur Beheizung des ganzen Gebäudes dient eine 
nach dem verbesserten Perkins’schen Systeme angelegte 
Heisswasserheizung. 
Von den im Souterrain (siehe Grundriss desselben) 
angebrachten vier Heizöfen beheizt einer den grossen Hör¬ 
saal, zwei die sämmtlichen übrigen zu Lehrzwecken benützten 
Räume und einer die sämmtlichen Wohnungen. 
Das eiserne Rauchrohr der Heisswasserheizung ist 
innerhalb eines weiten gemauerten Schlotes bis über das 
Dach hinausgeführt. Durch die so hergestellte Saugesse 
wird eine ausgiebige Ventilation sämmtlicher für Lehrzwecke 
dienenden Räume, mit Ausnahme des grossen Hörsaales, 
der seine eigene Ventilations-Einrichtung besitzt, erreicht. 
Um dieselbe auch während der warmen Jahreszeit, 
wo die Heisswasserheizung nicht benützt wird, in Thätig- 
keit setzen zu können, ist im Souterrain am Fusse des 
Rauchrohres eine eigene Feuerstelle angebracht. 
Behufs Ventilation des grossen Hörsaales ist über dem 
mittleren Luster daselbst eine etwas über einen Meter im 
Durchmesser weite, mit einem durchbrochenen Gitter ver- 
schliessbare Oeffnung angebracht, ober welcher sich eine 
aus starkem Eisenblech konstruirte Kuppel befindet, deren 
innerer Raum durch ein weites Blechrohr mit der äusseren 
Luft kommunizirt. 
Für die Zuführung frischer Luft sind in den beiden 
Hofmauern des Hörsaales Luftzüge angebracht, die durch 
Klappen derart regulirbar sind, dass die Luft im Sommer 
unter der Decke, im Winter aber in der Höhe des Fuss- 
bodens eindringt und im letzteren Falle vorerst die in den 
vier Ecken des Saales in Mauernischen angebrachten 
Schlangenrohre der Heisswasserheizung passiren muss. 
Zur Beförderung der Luftausströmung kann innerhalb 
der oberwähnten Blechkuppel ein Kranz von Gasflammen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.