Bauhaus-Universität Weimar

— ■ 7 
Das Vorhandene, Gegebene, dessen Form man ohne viel 
technisches Hinzuthun erfassen konnte und jederzeit erfassen kann, 
ist die eine Endlage der Kette von Veränderungen, die diasto¬ 
lische Ruhelage, die — wohl mit nur geringen Abweichungen 
— die Form des todten Organs repraesentirt und die man auch 
am lebenden Thiere durch physikalische und chemische Reize 
leicht produciren kann. Ein Vergleich zwischen diastolischem 
und systolischem Zustande war in einigen Punkten vielleicht erst 
mit der Publication der Methoden von Hesse1) und Krehl-) 
gegeben, die auf solche Weise zu erfahren suchten, wie die eine 
Form in die andere übergeht. -j 
Die Fixirung im systolischen Zustande geschah durchWärme. 
Das frische Herz wurde in eine concentrirte Lösung von doppelt¬ 
chromsaurem Kali von 50° C. gelegt und die Temperatur der 
Lösung im Verlauf der nächsten Stunde auf der genannten Höhe 
erhalten. Wie Hesse gezeigt hat, gerieth das Herz dadurch in 
den Zustand, stärkster Systole. „Es liegt auf der Hand, dass^ 
diese Methode nur für Herzen anwendbar ist, die noch contrac- 
tionsfähig sind und dass sie nur dann eine Berechtigung hat, 
wenn man gelten lässt, dass sich alle Muskelfasern des Herzens 
um den gleichen Bruchtheil ihrer Länge zusammenziehen. Ist 
diese Annahme nicht statthaft, so ist natürlich jeder Versuch, 
sich künstlich ein systolisches Herz herzustellen, müssig, und jede 
Discussion über die Form des systolischen Herzens überflüssig, 
weil man dann überhaupt nichts sagen kann“. Ausser vielen ^ 
Hundeherzen gelang es Krehl auch, nach einer Hinrichtung ein 
Menschenherz (das Herz eines Justifizirten), in den systolischen 
Zustand zu überführen. — „Dadurch hatte man zum ersten Male 
ein in Systole fe&tgehaltenes menschliches Herz gesehen“. -J 
Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass durch die Versuchs- 
anordnungen von Hesse und die darauffolgenden Untersuchungen 
von Krehl unsere Kenntnisse vom Bau des Herzens eine we¬ 
sentliche, sehr bedeutende Förderung erfahren haben. — _ 
Es ist aber durchaus noth wendig, dass wir uns, ehe eine 
Anwendung der Forschungs-Resultate von Hesse und Krehl 
in Betracht kommt, die Frage vorlegen, ob dasjenige, was durch 
Einlegen eines frischen, noch contractionsfähigen Herzens in eine 
x) Hesse 1. c. 
2) Krehl 1. c.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.