Bauhaus-Universität Weimar

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die Menge des vom Herzen aufzunehmenden Blutes sich nicht 
immer gleich bleibt und dass der Umfang des Herzens auch 
schon der wandelbaren Fettbildung wegen mit der Weite des 
Pericardium externum nicht gleichen Schritt halten kann. Für 
diese und ähnliche, sich innerhalb der Grenzen der Normalität 
bewegende Vorkommnisse ist wohl jene grössere Weite vor¬ 
gesehen. 
Dieser Überschuss der Capacität des Herzbeutels muss jedoch 
unter gewöhnlichen Verhältnissen durch die an drängenden Lungen 
sofort aufgehoben werden. 
Solange der parietale Herzbeutel mit nachbarlichen Theilen 
in natürlichem Verbände steht, entspricht er im Wesentlichen dem 
Umfange des Pericardium viscerale. Bei geschlossenem Brust¬ 
raume drängen sich die Lungen innig an den Herzbeutel an und 
schiebt sich namentlich der mediale Rand ihrer Basis keilartig 
so in den Sinus pleurae phrenico-pericardiacus, dass nirgends die 
Bildung weder von Runzeln, noch von Falten Platz greifen kann. 
Erst wenn dieser Einfluss aufgehoben ist, lässt sich das Peri¬ 
cardium externum leicht verschieben.“ 
Von grossem Einflüsse, der sich noch an der Leiche präcise 
feststellen lässt, darauf, dass der Herzbeutel in der geschlossenen 
Brusthöhle stets wie ein Zelt ausgespannt erhalten wird, ist der 
in dem Pleura-Raume herrschende zuerst durch Donders1) in 
hydrostatischem Masse ausgedrückte negative Druck2). 
„Bei den Fluss-Schildkröten, die. eine sehr grosse, serum¬ 
reiche Herzbeutelhöhle haben, ist die Herzspitze oder vielmehr 
der Theil, der der Herzspitze des Menschen entspricht, durch ein 
eigenes Band am Grunde des Herzbeutels angeheftet; dies ist 
beim Menschen nicht der Fall, aber man kann doch seine Herz¬ 
spitze nicht als ganz frei beweglich betrachten. Der eng um- 
schliessende, an seine Umgebungen befestigte Herzbeutel muss 
bei der geringen Menge von Liquor pericardii, welche er ent¬ 
hält, die Bewegungen der Herzspitze in hohem Grade beschränken, 
so dass bei der Verkürzung der Ventrikel durch die Systole die 
Ostien gegen die Herzspitze herabsteigen, was erleichtert wird 
dadurch, dass einerseits Aorta und Arteria pulmonalis durch das 
*) Donders, Zeitsch. f. rat. Med. N. F. III, p. 2g7 und IV, p. 241. 
2) Diesen wertvollen Hinweis verdanke ich Herrn Professor Zuckerkandl.
        

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