Bauhaus-Universität Weimar

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oder durch eine neue Methode bestätigte ältere, experimentelle 
Befunde einander gegenüber zu stellen vermag, kann es wohl 
nicht als unzweckmässig erscheinen, eine kurze Revision der 
gangbaren Herzstosslehren zu versuchen. 
Jeder, der im Verlaufe von Jahren „Herzstösse“ in grosser 
Zahl untersucht hat, ist wohl immer und immer wieder auf Er¬ 
scheinungen gestossen, die in den Rahmen keiner einzigen der 
bekannten und anerkannten Herzstoss-Theorien passen wollen; 
es hat für denjenigen, der sich mit dem Spitzenstoss-Phaenomen 
viel beschäftigt, den Anschein, als wäre keine der bisherigen 
Theorien imstande, das streng Normale, den Typus, zu prae- 
cisiren und von dem Abnormen, dem Veränderten, Pathologischen 
scharf zu trennen. 
Die Verwirrung, welche auf dem Gebiete der Herzstoss-Er- 
klärungen so lange Zeit geherrscht hat und auch jetzt noch nicht 
vollständig beseitigt ist, lässt sich treffend mit den Worten 
Kürschners1) begründen : „Diese V er wirrung rührt daher, dass 
viele, ohne vielleicht jemals ein Herz bloss zu legen, über diesen 
Gegenstand geschrieben haben, und vorzugsweise1 ist vielen 
älteren Beobachtern dieser Vorwurf zu machen. 
Andere haben Vivisectionen gemacht und gewiss treu be¬ 
obachtet, allein theils sind die Versuche an grossen Thieren 
angestellt, wo man die Erscheinungen nicht übersieht, theils hat 
man an zu viel Thieren den Herzschlag gesehen und dadurch 
die Beobachtung verwirrt, wie denn die Experimente am Frosch- 
Herzen der Physiologie dieses Organes in jeder Hinsicht hinder¬ 
lich gewesen sind, theils hat man bei dem blossgelegten Herzen 
nicht die richtige Zeit wahrgenommen und viele Irrthümer liegen 
an der Art der Operation.“ — 
II. 
Der Nachweis des systolischen Herzbuckels an der Vorder¬ 
fläche des Spitzen - Antheiles kann für die Beantwortung der 
morphologischen Seite der aufgeworfenen Frage wohl vollkommen 
zureichend erscheinen. 
Dass der systolische Herzbuckel zur Hervorbringung der 
umschriebenen Vorwölbung, die wir „Spitzenstoss“ nennen, gerade¬ 
zu praedestinirt erscheint, wird schon a priori unbedingt zugegeben 
werden können; sein Hervortreten aus der vorderen Fläche des 
') 1- c., S. 31.
        

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