Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Entwicklung der Kgl. landwirtschaftlichen Anstalt Hohenheim: Festgabe zur Feier des hundertjährigen Bestehens der Anstalt
Person:
Kirchner, Oskar von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit25009/39/
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geführte Neubau der landwirtschaftlichen Versuchsstation 
(Bild 8) in nächster Nachbarschaft des alten Gebäudes, welches jetzt für Beamten¬ 
wohnungen Verwendung fand, in Gebrauch genommen werden; die alten Räumlich¬ 
keiten hatten sich eben trotz wiederholter Flickarbeit bei der fortdauernden Zu¬ 
nahme der Tätigkeit und einer entsprechenden Vermehrung der Beamtenzahl schon 
längst als unzureichend erwiesen. Die Versorgung zunächst der Gutswirtschaft 
mit elektrischem Licht- und Kraftstrom wurde 1900 beendet. Zur selben Zeit er¬ 
folgte eine Ausdehnung des Betriebes der Molkerei dadurch, daß sie sich von nun an 
nicht mehr auf die Verarbeitung der vom Hohenheimer Vieh anfallenden Milch 
beschränkte, sondern solche in der näheren Umgebung zukaufte. 
Eine wesentliche Verbesserung der Lehr- und Forschungsmittel war 1902 zu 
verzeichnen, als der schon seit einigen Jahren vorbereitete Bau eines neuen 
botanischen Instituts, dessen Ausführung rund 150000 Mk. erforderte, 
vollendet war (Bild 9). Das sehr günstig nahe am botanischen Garten inmitten 
eines für Versuche bestimmten eignen Gartens gelegene Gebäude nahm nicht nur 
einen Hörsaal, Mikroskopiersaal, Arbeitsräume und die botanischen Sammlungen 
auf, sondern auch die praktischen Betriebe der Samenprüfungsanstalt und einer im 
Herbst 1902 begründeten staatlichen Anstalt für Pflanzenschutz, und diesen beiden 
wurde der 58 Ar große Versuchsgarten zugewiesen. An die Anstalt für 
Pfl anzenschutz, deren Aufgabe die Erforschung von Krankheiten und Schäd¬ 
lingen der Kulturpflanzen und die Beratung der Praktiker über alle dieses Gebiet be¬ 
treffenden Fragen ist, ging gleichzeitig die 1896 auf Anregung der Deutschen Land¬ 
wirtschaftsgesellschaft eingerichtete Auskunftsstelle für Württemberg und Hohen- 
zollern in Angelegenheiten des Pflanzenschutzes über. An dem neuen botanischen 
Institut wurden zwei Assistenten und ein Diener angestellt, die Besorgung des 
Versuchsgartens dem Institutsgärtner übertragen. Jetzt erst konnten die reichen 
Sammlungen eine angemessene Aufstellung finden; in zwei großen Sälen wurde die 
allgemeine Schausammlung und eine auf den Pflanzenschutz bezügliche, in einem 
Saale der Samenprüfungsanstalt die aus etwa 4500 Nummern bestehende Samen¬ 
sammlung untergebracht, und in geschlossenen Kästen das Herbar verwahrt, 
welches etwa 20 000 Arten von Blütenpflanzen und 11 000 Arten von Kryptogamen 
enthält. Die an drei verschiedenen Stellen im Akademiegebäude zerstreuten Räume, 
welche durch die Übersiedelung in den Neubau des botanischen Instituts verfügbar 
wurden, fanden alsbald erwünschte anderweitige Verwendung, zum größten Teil 
zu einer Unterbringung des physikalischen Kabinetts nebst Arbeitszimmer für dessen 
Mechaniker, ferner als Laboratorium des Professors für Tierheilkunde und endlich 
zur Aufstellung einer Vorlesungssammlung für Mineralogie und Geologie. 
Auch das technologische Institut erfuhr 1903 eine erhebliche Verbesserung durch 
Erbauung eines neuen Kesselhauses und Aufstellung eines neuen Dampfkessels. 
An der Ackerbauschule wurde der bis dahin dreijährige Lehrgang im 
Herbst I900 in einen zweijährigen umgewandelt, deshalb mußte der theoretische 
Unterricht eine Ausdehnung erfahren; sie wurde dadurch erreicht, daß auch der 
Garteninspektor, der Institutsgärtner und der Wirtschaftsassistent Lehraufträge 
erhielten. 
Seit 1901 werden regelmäßig Jahresberichte über die Tätigkeit der Lehranstalten 
und der Einzelinstitute herausgegeben. 
Als eine Anerkennung ihrer Leistungen in Forschung und Unterricht durfte 
es die Akademie mit dankbarer Freude begrüßen, daß ihr am 25. Februar 1904, 
dem Geburtstag des Königs, die Bezeichnung „Landwirtschaftliche 
Hochsch ule“ verliehen und damit zum Ausdruck gebracht wurde, daß sie 
nach Ziel und Art des Unterrichtes den übrigen landwirtschaftlichen Hochschulen 
und Universitätsinstituten als gleichwertig zu erachten sei. 
An diesem Zeitpunkt wurde der akademische Unterricht von 10 ordentlichen 
Professoren und 11 Hilfslehrern erteilt, die Zahl der verschiedenen Vorlesungen
        

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