Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Entwicklung der Kgl. landwirtschaftlichen Anstalt Hohenheim: Festgabe zur Feier des hundertjährigen Bestehens der Anstalt
Person:
Kirchner, Oskar von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit25009/36/
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schaftlicher Kulturpflanzen, Seuchenlehre, erste Hilfeleistung bei Unglücksfällen, 
diese von einem Stuttgarter Arzt vorgetragen, dauernd eingefügt. Die zoologische 
Sammlung wurde 1884 umgestaltet und neu geordnet. 
Für die Diplomprüfung trat 1885 eine neue Bestimmung in Kraft, 
wonach sie in zwei Teilen abgelegt werden durfte, von denen sich im wesentlichen 
der erste auf die Grundwissenschaften, der zweite auf die Fachwissenschaften 
erstreckte, in jedem Teil wurde in allen Fächern mündlich, in drei jedesmal durchs 
Los festgestellten schriftlich geprüft. Bei der großen Fülle von Stoff, der für 
die Prüfung vorgeschrieben ist, bedeutete diese Maßnahme eine wesentliche 
und zweckmäßige Erleichterung, von der die Studierenden in der Folge regel¬ 
mäßig Gebrauch machten, und die sehr dazu beigetragen hat, die Beteiligung 
an der Prüfung zu heben. Im Jahre 1886 entschloß man sich, um ge¬ 
legentlich vorgekommene Härten zu vermeiden, als außerordentliche 
Studierende solche Landwirte zuzulassen, die den gewöhnlichen Aufnahme¬ 
bedingungen nicht genügten, wenn sie ihrer Vorbildung nach befähigt waren, den 
Vorlesungen zu folgen; doch ist bei ihrer Aufnahme immer streng verfahren worden, 
so daß die Zahl der außerordentlichen Studierenden, die zur Diplomprüfung nicht 
zugelassen werden, stets geringfügig geblieben ist. 
An den Einzelinstituten wurden Erweiterungsbauten der landwirt¬ 
schaftlich-chemischen Versuchsstation 1882—1886, der Samenprüfungsanstalt 
1885 ausgeführt, dieser auch ein 27 Ar großer Teil des Gartens der früheren forstlichen 
Versuchsstation als Versuchsgarten überwiesen; 1886 wurde eine Fischzuchtanstalt 
begründet, die 1893 erweitert wurde. Vornehmlich aber setzte man die Ausgestaltung 
des technologischen Instituts fort. Von 1888 an erfolgte die Einrichtung einer 
Bierbrauerei und eines großen technologischen Laboratoriums, sowie die Aus¬ 
stattung der Brennerei mit modernen Apparaten; 1891 kam ein bakteriologisches 
Laboratorium hinzu. So konnte 1889 zunächst probeweise und im folgenden Jahr 
endgültig die Versuchsstation für Gärungsgewerbe mit einer 
gärungsphysiologischen und Hefereinzucht-Anlage, nachher eine Versuchs¬ 
anstalt für Milch und Molkereiprodukte ins Leben treten. 
Am technologischen Institut waren damals außer dem Vorstand 3 Assistenten ange¬ 
stellt. Die meteorologische Beobachtungsstelle erfuhr 1892 unter Aufstellung von 
selbstregistrierenden Instrumenten eine Umwandlung zu einer Station 1. Ordnung, 
und ihr Betrieb ging unter der Aufsicht des Professors der. Physik und mit dessen 
Gehilfen als Beobachter auf das statistische Landesamt in Stuttgart über; mit 
ihr wurde eine Erdbebenwarte verbunden. 
Schon 1889 wurden wiederum Erweiterungsbauten an der landwirtschaftlich¬ 
chemischen Versuchsstation wegen der sich immer umfangreicher gestaltenden 
Tätigkeit dieses Instituts, und bald nachher die Anstellung eines dritten Stations¬ 
chemikers erforderlich. Eine Neuordnung des botanischen Gartens begann 1891 
mit der Anlage eines Alpinums, woran sich im nächsten Jahre diejenige von bio¬ 
logischen Pflanzengruppen anschloß; seit dieser Zeit trat der Garten durch Heraus¬ 
gabe eines Samen Verzeichnisses in Tausch verkehr mit den andern botanischen 
Gärten. Zur Bewältigung der mit der besseren Ausnützung das Gartens sich 
mehrenden Arbeiten wurde 1893 die früher aufgehobene Stelle eines Instituts¬ 
gärtners wiederhergestellt. Für die Zwecke der Maschinenprüfungsanstalt wurde 
1891 ein Schuppen erbaut. 
Bei der Gartenbauschule lag schon längst das dringende Bedürfnis 
eines neuen Schul- und Wohngebäudes vor, das sich noch steigerte, als die wachsende 
Bedeutung des Obst- und Gartenbaues eine Erweiterung der Schule forderte. 
Die nötigen Räumlichkeiten konnten 1886 durch den Umbau des früher für die Seiden¬ 
zucht verwendeten Gebäudes gewonnen werden, so daß sich nun die Zahl der Schüler 
von; 6 auf 12 erhöhen, auch für die Teilnehmer an den jährlich stattfindenden 
Obstbaulehrgängen ein angemessenes Unterkommen beschaffen ließ.
        

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