Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Entwicklung der Kgl. landwirtschaftlichen Anstalt Hohenheim: Festgabe zur Feier des hundertjährigen Bestehens der Anstalt
Person:
Kirchner, Oskar von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit25009/24/
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zur Aufstellung, 1854 erfuhr die vorher schon ansehnliche zoologische Sammlung 
eine Bereicherung durch die Überlassung einer Auswahl ausgestopfter Tiere von 
der Zentralstelle für Landwirtschaft und Gewerbe, und auch die übrigen akade¬ 
mischen Sammlungen entfalteten sich immer günstiger dank der Rührigkeit 
ihrer Vorstände, trotzdem ihnen nur bescheidene Geldmittel zur Verfügung standen. 
So wurde die forstliche Sammlung in neuen Räumlichkeiten aufgestellt, die minera¬ 
logischen und geologischen Sammlungen, durch Prof. Dr. F. Fleischer (geb. 
am 27. November 1801) mit besonderer Hingebung angelegt und fortwährend ver¬ 
größert, kamen 1857 zu einer zweckmäßigen Anordnung, und die früher der Ver¬ 
nachlässigung anheimgefallene Bodensammlung wurde i860 vollständig erneuert. 
Durch eine neue Sichtung und Aufstellung der landwirtschaftlichen Modelle und 
Geräte 1861 wurde der Grund zu der Sammlung gelegt, die heute in unvergleich¬ 
lichem Reichtum und hinsichtlich der älteren Zeit wohl nirgend sonst vorhandener 
Vollständigkeit eine Hauptzierde und Hauptsehenswürdigkeit Hohenheims ist; nur 
fehlt ihr leider immer noch der genügende Aufstellungsraum, um zu voller Geltung 
zu gelangen. Für den forstlichen Unterricht wurde noch weiter dadurch gesorgt, 
daß 1862 das benachbarte Revier Denkendorf dem zweiten Forstlehrer Prof. H. 
Fischbach zur Verwaltung übergeben wurde; doch bestand dieses Verhält¬ 
nis nur bis zum Weggang Prof. Fischbachs 1866, da es sich mit der sonstigen 
dienstlichen Tätigkeit des zweiten Forstlehrers nicht vertrug. Die für beide Ab¬ 
teilungen der Akademie gemeinsame Bibliothek war 1863 auf über 4000 Bände 
angewachsen, obwohl für ihre Vermehrung jährlich nur 500 fl. (859 Mk.) verfügbar 
waren; sie war in einem Bibliotheksaal aufgestellt, stand den Lehrern und Studie¬ 
renden zur Benützung frei, und die jährlichen Zugänge wurden in Nachträgen zu 
einem 1846 verfaßten Verzeichnis gedruckt. 
Die zur Verbreitung von Kenntnissen im Wiesenbau unter der Landbevölkerung 
ins Leben gerufene Wiesenbauschule hatte ihren Zweck erfüllt und wurde am Ende 
des Winters 1831/52 aufgehoben; an ihre Stelle traten von 1855 an Wiesenbau¬ 
kurse, die 1862 wegen Mangels an Teilnehmern wieder eingingen. Als sehr glück¬ 
liche Neuerung erwiesen sich dagegen die 1850 bei der Gartenbauschule einge¬ 
führten Lehrgänge im Obstbau, die mit staatlicher Unterstützung alljährlich bei 
sehr reger Beteiligung abgehalten wurden und sich bis zur Gegenwart in Blüte 
erhalten haben. 
Die Hohenheimer Gutswirtschaft erfuhr nicht nur infolge der oben erwähnten 
Änderung des Feldbetriebes eine wesentliche Umgestaltung, auch im Viehbe¬ 
stände wurden Neuerungen notwendig. Diese bezogen sich weniger auf die 
Rinderhaltung, in der die Simmentaler Rasse weiter gezogen und zur Versorgung 
der württembergischen Landwirtschaft mit Zuchtvieh verwendet, die Aufstellung 
anderer Rassen jedoch aufgegeben wurde. Aber bei der damals sehr wichtigen 
Schafhaltung, für die Hohenheim als Landesstammschäferei diente, machte sich 
eine Zuchtrichtung geltend, welche die Mastfähigkeit der Tiere in den Vordergrund 
stellte; deshalb wurde neben den älteren Merinostämmen in den Jahren 1854 
und 1855 ein württembergischer Bastardstamm, entstanden aus einer Kreuzung 
des Merino mit dem deutschen Schaf, herangezüchtet, der sog. Justinger Merino¬ 
stamm dagegen 1850 aufgegeben und mit dem Hohenheimer Elektoralstamm ver¬ 
schmolzen. Außerdem wurde aus einem Teil des Justinger Stammes eine Kamm¬ 
wollschafherde erzogen. 
Im Zusammenhang mit den Betriebsänderungen hatte Walz bereits 1851 
das gesamte Rechnungs- und Buchhaltungswesen nach Grundsätzen neu geordnet, 
die auf lange Zeit hinaus maßgebend geblieben sind. 
So bedeutende Umgestaltungen auf fast allen Gebieten der Gesamtanstalt 
machten natürlich auch viele bauliche Unternehmungen notwendig, und so ist 
die Zeit der Walz sehen Direktion an solchen sehr reich gewesen. Was von den 
Räumen des umfangreichen Schlosses noch keine feste Verwendung gefunden
        

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