Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Entwicklung der Kgl. landwirtschaftlichen Anstalt Hohenheim: Festgabe zur Feier des hundertjährigen Bestehens der Anstalt
Person:
Kirchner, Oskar von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit25009/22/
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tionsassistent, der immer ein Verwaltungsbeamter oder Jurist war, beauftragt; 
die Bestimmungen zur Aufrechterhaltung der Ordnung zeigten gegen früher wohl 
eine Milderung, aber die Annahme und der Besuch der Vorlesungen unterlagen 
der Aufsicht der Dozenten und des Lehrerkonventes. Von der Vereinigung der 
Landwirte und Forstwirte an der Akademie versprach man sich neben andern 
Vorteilen namentlich eine freundliche Annäherung der Hörer untereinander und 
ein besseres Verständnis zwischen den Vertretern von Feldbau und Waldbau über¬ 
haupt, indessen zeigten die späteren Erfahrungen, daß diese Hoffnungen doch 
nur zu einem geringen Teile in Erfüllung gegangen sind. 
So machte sich die neue Bezeichnung als Akademie weniger in ihren Einrich¬ 
tungen und ihrem Betrieb, als vielmehr nach außen hin geltend ; in dieser Hinsicht 
stellte sie die Gleichwertigkeit Hohenheims mit den land- und forstwirtschaftlichen 
Akademien her, die inzwischen innerhalb der Länder deutscher Zunge sich 
vermehrt hatten, und deren Mitbewerb Hohenheim aushalten mußte. Außer dem 
noch bestehenden M ö g 1 i n waren in Deutschland landwirtschaftliche Akademien 
in Idstein (1818, verlegt 1834nach Hof geis berg bei Wiesbaden), Schlei߬ 
heim (1822, verlegt 1852 nach Weihenstephan),Jena (1826), Tharandt 
(1829), Eldena (1833) und Regen w aide (1842) entstanden, wozu 1847 
noch P r o s k a u und Poppelsdorf, 1851 Weende bei Göttingen und 
1858 Waldau bei Königsberg kamen. 
Beim Beginn dieses Zeitabschnittes waren in Hohenheim 8 Professoren als 
Lehrer angestellt : 2 für Landwirtschaft, deren einer der Direktor war, 2 für Forst¬ 
wirtschaft, 1 für Technologie, 1 für beschreibende Natirrwissenschaften, i für Mathe¬ 
matik und Physik, 1 für Tierheilkunde, dem 1849 auch Zoologie und Seidenzucht 
übertragen wurden. Diese Professoren hatten den Rang der außerordentlichen Pro¬ 
fessoren der Landesuniversität. Zu ihnen traten noch 8 Lehrer, die im Nebenamt 
Vorträge über landwirtschaftliche Fächer, Obst- und Gemüsebau, Bienen¬ 
zucht, landwirtschaftliche Buchhaltung, landwirtschaftliche Gesetzgebung und 
landwirtschaftliche Baukunde zu halten hatten. Von den wichtigeren landwirt¬ 
schaftlichen Vorlesungen übernahm Direktor P a b s t diejenigen über Betriebs¬ 
und Taxationslehre, allgemeine Tierzucht und Wollkunde, sowie über den Hohen- 
heimer Wirtschaftsbetrieb, während dem zweiten Landwirtschaftslehrer P i s t o- 
r i u s die über Rinderzucht und Pflanzenbau zufielen. Von Veränderungen im 
Lehrplan ist nur zu erwähnen, daß 1848 die Vorlesung über Jagdkunde aufgegeben 
wurde. Zur Unterstützung des Unterrichts wurde in demselben Jahre ein kleiner, 
auf der nahe gelegenen Kemnater Markung, aber außerhalb des Weinklimas 
liegender Weinberg angekauft und 1852 auf 3/8 Morgen (1395 qm) vergrößert; er 
ist 1911 verkauft worden. 
Am 25. Juni 1850 erhielt P a b s t die von ihm erbetene Entlassung und folgte 
einer Berufung als Direktor der von ihm eingerichteten landwirtschaftlichen Aka¬ 
demie zu Ungarisch-Altenburg; er starb im Ruhestande zu Hütteldorf bei Wien 
am 10. Juli 1868. Vor, während und nach seiner Hohenheimer Tätigkeit hat 
er sich als Verfasser von geschätzten und seinerzeit verbreiteten Werken auf dem 
Gebiete der Tierzucht und der landwirtschaftlichen Betriebslehre einen sehr ge¬ 
achteten Namen erworben; es seien hier nur die umfangreicheren genannt: An¬ 
leitung zur Rindviehzucht (r. Aufl. 1829), Lehrbuch der Landwirtschaft (1. Aufl. 
1832), Die landwirtschaftliche Taxationslehre (1. Aufl. 1853). 
Sein Nachfolger wurde am 8. August 1850 der Vorstand der Ackerbauschule 
in Ellwangen, Ökonomierat Gustav Walz (geb. zu Stuttgart am 30. Dezember 
1804). Er hatte seine höhere landwirtschaftliche Ausbildung, wie sein Vor¬ 
gänger, als Schüler von Schwerz in Hohenheim genossen und sie durch 
Universitätsstudien in Tübingen vertieft. Seine Direktion, die bis 1865 an¬ 
dauerte, füllt einen der bedeutungsvollsten Abschnitte in der Entwicklungs¬ 
geschichte Hohenheims, ebenso reich an zielbewußter Arbeit und großen Er-
        

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