Volltext: Handbuch der physiologischen Methodik, Dritter Band, Zweite Hälfte: Zentrales Nervensytem, Psychophysik, Phonetik (3)

Die akustischen Eigenschaften des Luftstromes. 
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auch im Abschnitt Hämodynamik beschrieben, weshalb ich mich hier auf 
das Wichtigste beschränken kann. Ein von einem schweren Stativ getragener 
Kasten (Fig. 58a) trägt auf einer vertikalen Wand AB CD einen Tubus I, 
dessen Boden mit einer runden Öffnung Z (1 cm Durchmesser) versehen ist, 
die von der Lamelle geschlossen wird. Der an einen Messingstreifen geklebte 
Hebel ede (Fig. 58b) ist von der oberen Wand AB GH aus durch die 
Schlitten Kund L und die Schraube P in den drei Raumdimensionen verschieb¬ 
bar. Der Lichtstrahl einer Bogenlampe wird von einem in R enthaltenen Mi¬ 
kroskopobjektiv auf den Hebel geworfen, und ein zweites Objektiv im Tubus U 
entwirft vom Hebel ein Bild, das von zwei im Rohr g enthaltenen Prismen 
in die horizontale Ebene umgestellt wird. Dieses Bild wird gegen die verti¬ 
kale Spalte des optischen Registrierapparates von Hermann und Gilde¬ 
meister (137) geworfen. Gleichzeitig wird durch die Spalte der bewegte 
Schatten einer Feder registriert, die von einer entfernten Stimmgabel lautlos 
in Schwingungen versetzt wird. 
Die Hauptschwierigkeit besteht in der Anfertigung und der Einstellung 
des Glashebels, wegen der besonders kleinen Dimensionen des Systems. 
Die dünne Lamelle aus Glyzerinseifenlösung hat nach den Messungen von 
Weiß für eine Fläche von 0,88 cm2 ein Gewicht von 0,05 mg, und mit dem 
feinen, versilberten Glashebel (Durchmesser 10 g, Länge 18 mm) hat das 
schwingende System ein Gesamtgewicht von 0,0535 mg, wohl ein bis jetzt 
unerreichtes Minimum. Der Hebel muß der Lamelle genau .zentrisch 
anliegen, der vertikale Schenkel absolut senkrecht stehen, und die Ose keine 
ungleiche Spannung in der Lamelle hervorrufen; sonst bekommt das System 
ein Drehmoment und verliert bedeutend an Empfindlichkeit. Die Behandlung 
des Apparates ist also, wie leicht verständlich, sehr delikat. Auch muß die 
Unterlage des Phonoskopes absolut erschütterungsfrei sein. 
Die Empfindlichkeit ist sehr groß. Leise gesprochene Vokale (mit Voll¬ 
stimme) bewirken noch auf 10 m Abstand einen Ausschlag; geflüsterte 
Vokale werden auch gut registriert, und ebenso die hohen Obertöne der 
sch- und s-Laute (s. Weiß 136c). Das Phonoskop ist von Erich Herr¬ 
mann (138) zur Aufnahme von Musikinstrumenten verwendet worden, wo 
der Phonograph den Dienst versagte. 
Mittels synthetischer Versuche hat Weiß (139) die Leistungen des 
Apparates kontrolliert; diese Versuche sind befriedigend ausgefallen. — Der 
Apparat wird von Edel mann-München konstruiert. 
Durch die Vermittelung Hermanns hat • mir der Erfinder die auf 
Fig. 59 mitgeteilten Proben (1—4 piano gesungenes a, 5 geflüstertes a, 
s-Laut) mit großer Liebenswürdigkeit zur Verfügung gestellt. 
6. Nach einem eigentümlichen, von den obigen abweichenden Prinzip 
ist der Apparat von Struycken-Breda gebaut. Hier werden 2 Membranen 
so aufgestellt, daß sie durch den Einfluß der Luftschwingungen synchrone 
Bewegungen ausführen und einem zwischenstehenden Spiegel dementsprechende 
Winkeldrehungen erteilen. Der Apparat wird zurzeit vom Erfinder noch 
verbessert; die Grundzüge der Ausführung findet man aber bei Struycken 
(140) und Gutzmann (9) S. 88 angegeben. Einiges entnehme ich auch 
einer brieflichen Mitteilung des Erfinders. 
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