Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Methodik, Dritter Band, Zweite Hälfte: Zentrales Nervensytem, Psychophysik, Phonetik
Person:
Tigerstedt, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit24817/818/
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J. Poirot, Die Phonetik. 
Akumetrische Methode. — Für phonetische Zwecke lassen sich die 
Resultate der Hörprüfungen von Taubstummen verwerten. Die klinische 
Feststellung der Hörreste ergibt nämlich einerseits, welche Laute, anderer¬ 
seits, welche Teile der Tonskala noch gehört werden; und durch Kombina¬ 
tion dieser Befunde läßt sich angeben, daß die Perzeption gewisser Töne 
nötig ist, damit der Kranke gewisse Laute wahrnehmen könne. Namentlich 
hat Rousselot (116) (auch Bd. II seiner Principes) die sich für die Klang¬ 
analyse ergebenden Schlüsse zu entwickeln versucht. — Dieses Verfahren 
kann selbstverständlich nur die Stellung einer Hilfsmethode beanspruchen. 
Interferenzenmethode. — Nach einer anderen Richtung hin haben 
Grützner und Sauberschwartz (117) die Methodik erweitert, nämlich mit 
einem Interferenzenverfahren. Dazu dient eine der von Quincke 
angegebenen Röhren, die T-rohrförmige. Wenn der senkrechte Schenkel 
einer solchen Röhre mit einem verschiebbaren Stempel geschlossen wird 
und der Ton durch den anderen Schenkel geführt wird, so entstehen durch 
die seitliche Abweichung der Ton well en nach dem senkrechten Schenkel 
Interferenzen, die man beliebig regulieren kann. Ist z. B. die Länge des 
Schenkels von der Röhre bis zum Stempel gleich ^ des betreffenden Tones, 
so daß die Wegedifferenz (hin und zurück) ~ ausmacht, so wird im distalen 
Zweig der geraden Röhre eine Auslöschung des Tones hervorgerufen. Wenn 
der Ton zusammengesetzt ist, so zeigt die Theorie, daß die Auslöschungs¬ 
bedingung zugleich für sämtliche ungeraden Obertöne (Wegedifferenz für 
jeden eine ungerade Anzahl von halben Wellen) gegeben ist, für die geraden 
Obertöne tritt dagegen die Verstärkung (Wegedifferenz eine gerade Anzahl 
halber Wellen) ein. Sollen auch diese verschwinden, so muß außerdem ein 
zweiter senkrechter Schenkel stehen und der Stempel dort auf eine Röhren¬ 
länge 4 eingestellt werden. In der Praxis erweist es sich, daß die völlige 
Auslöschung wegen der in den Röhren entstehenden Störung der Schall¬ 
fortpflanzung nicht eintritt. Die Wirkung wird aber bedeutend gesteigert, 
wenn mehrere gleiche Interferenzröhren nebeneinander stehen; wenn das 
erste Rohr den Ton z. B. auf 4 seiner Intensität herabsetzt, so bewirkt das 
vtti Rohr eine Abschwächung auf —. 
1 Ö np 
Diese Anordnung haben Grützner und Sauberschwartz verwendet 
(Fig. 45). Die eigentliche Interferenzeinrichtung wird von einer Messing¬ 
röhre AB (10 mm Durchmesser, 90 cm Länge) gebildet, die in gleichen Ab¬ 
ständen (10 cm) 6 Interferenzröhren von derselben Weite, aber von wachsen¬ 
der Länge (50 bis 100 cm), mit verschiebbaren Stempeln und eingeteilten 
Stempelstielen trägt. Das Ende A wird mit dem Ohr verbunden; das 
Ende B mündet in eine Ilm lange Zuleitungsröhre, die durch zwei Zimmer 
geht und mit dem Mundtrichter endet. (Diese Entfernung ist natürlich an¬ 
gezeigt, damit der Beobachter den Laut überhaupt nur durch die Leitung 
hören kann.) — Statt vom Grundton oder vom ersten Oberton an auszu-
        

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