Volltext: Handbuch der physiologischen Methodik, Dritter Band, Zweite Hälfte: Zentrales Nervensytem, Psychophysik, Phonetik (3)

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W. Wirt h, Psychophysik. 
linie, die der Schreiber bei konstanter Stellung des Hebels ng in der 
kritischen Lage aufzeicbnen würde, den beiden von der Ach sehen Kontakt¬ 
vorrichtung registrierten Zeitpunkten3). Das Lot M bezeichnet den Moment 
der ersten Stromänderung, a den Beginn der Zeigerbewegung, B die zweite 
Stromänderung, co den Stillstand der Zeiger, a — M ist die erste, co— B 
die zweite Latenzzeit und q = (co — B) — (a — M) = (co — a) — (B — M) den 
aus der EinschaltungsVorrichtung resultierenden Zeitfehler. 
Durch diese Untersuchungen wurde nun zunächst übereinstimmend 
gefunden, daß die Latenzzeiten, die übrigens bei Ach im einzelnen 
nur 6 bis 20 o und meistens nur etwa 14 a betrugen, für Zeit¬ 
messungen von 30 6 bis 1 Minute, d. h. für den ganzen Meßbereich 
dieser Modelle (s. unten S. 522), von der zu bestimmenden Zeit t 
so gut wie unabhängig sind* 1). Der Fehler q ist also bei der allgemeinen 
Fehlergleichung im Unterschiede von dem Fehler ta des Ganges eine Kon¬ 
stante. Bei Verstärkung des Stromes und konstanter Federspannung ver¬ 
kürzt sich vor allem die Latenzzeit bei der Anziehung des Ankers durch 
den Magneten, während die Latenzzeit nach der Abreißung sich weniger 
ändert. Als größte resultierende Änderung der Chronoskopangabe fand Ach 
hierbei für Arbeitsstrom 27,8 ö, für Ruhestrom 52,3 ö. Bei Verstärkung der 
Federspannung2) wurde dagegen umgekehrt vor allem die Latenzzeit 
nach der Abreißung verkürzt, und die Chronoskopzeit änderte sich bei Ar¬ 
beitsstrom im Maximum um 45,2 ö und bei Ruhestrom um 37,2 o. Edgell 
und Symes haben .aber daneben zum erstenmal in der psychologischen 
Literatur berücksichtigt, daß auch die elektromotorische Kraft, bzw. der 
Widerstand, mit welchem eine bestimmte Stromstärke erzeugt ist, wegen 
der Extraströme vor allem für die Latenzzeit bei Schließung nicht gleichgültig 
ist, was Hipp (a. S. 512, A a. O.) bereits empirisch herausgefunden hatte. Dies 
ist z. B. auch aus Fig. 62 zu ersehen, wo trotz gleicher Stromstärke die 
Latenzzeit der Schließung bei 42 Volt kürzer und der zweiten Latenzzeit 
ähnlicher ist als bei 6 Volt. Diese Autoren empfehlen auch, mit einer 
höheren elektromotorischen Kraft zu arbeiten, wie es unter Benützung des 
Stadtstromes schon seit längerer Zeit im psychologischen Institut von Külpe 
in Würzburg üblich war. Auch die Ach sehen Messungen waren sämtlich 
mit 110 Volt ausgeführt. 
Da nach alledem die Erhöhung des-Magnetismus und die Steige¬ 
rung der Federspannung den aus den Latenzzeiten resultierenden 
beschränken. Doch geben die Kurven wenigstens den ungefähren Verlauf der ganzen 
Bewegung konkret wieder, den Ach sich aus seinen beiden Momentanregistrierungen rein 
theoretisch rekonstruiert. Jedenfalls wären aber doch auch bei völlig starrem Schreiber 
die Niveaulinien nur durch ähnliche Vorsichtsmaßregeln wie bei Ach genau zu ermitteln. 
1) Früher hatte man dagegen dieser in den Kontrollen dabei meistens viel kürzer 
bemessenen Gesamtzeit t einen wesentlichen Einfluß auf q zuerkannt und dies auf 
remanenten Magnetismus zurückgeführt (vgl. S. 514). 
2) Edgell und Symes empfehlen, immer nur eine Feder zu spannen und die 
andere völlig ruhen zu lassen, wodurch die Federn am geringsten in Anspruch genom¬ 
men werden. Es entscheidet sowohl nach ihren Ergebnissen (a. a. O. S. 75) als auch 
nach Ach (a. a. O. S.270) nur das Spannungsverhältnis, da bei den verschiedensten 
absoluten Spannungen der einzelnen Federn gleiche Chronoskopzeiten gefunden 
wurden.
	        
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