Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Methodik, Dritter Band, Zweite Hälfte: Zentrales Nervensytem, Psychophysik, Phonetik
Person:
Tigerstedt, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit24817/672/
Die psychologischen Symptome in der willkürlichen Bewegung und Ruhe. 459 
einer Trommel gesondert zu registrieren gestattet1). Der Mechanismus ist 
aus der Figur ohne weiteres ersichtlich, wenn man berücksichtigt, daß der 
im Kugelgelenk C drehbare Hebel H1H2 die Bewegungen des bei K an¬ 
gesetzten und auf der Stirnhaut fixierten Saughütchens G aufnimmt und 
durch seine Platte P deren vertikale Komponente an die Mareysche Auf¬ 
nahmekapsel T1? deren horizontale aber an T2 weitergibt. Der Träger des 
Ganzen wird mittelst der Binde B so am Kopfe befestigt, daß die Stirne 
bis auf die von G berührte Stelle frei bleibt. Diese Befestigung solcher und 
ähnlicher Apparate am Kopfe und eine spezielle Belastung einzelner Partieen 
wirkt bei der Registrierung allerdings leicht störend auf die Einstellung des 
Bewußtseins im ganzen ein und läßt die Verwendung dieser Apparate zur 
Analyse von Gemütsbewegungen weniger geeignet erscheinen2), als analoge 
Vorrichtungen zur Aufzeichnung der kleinsten unwillkürlichen 
Bewegungen der Extremitäten, die an das Arbeiten gegen äußere 
Widerstände gewöhnt sind, weshalb z. B. auch die ganze Ergographie 
günstige allgemeine Versuchsbedingungen darbietet. Mit dieser Verfeinerung 
der „pantomimischen“ Analyse hatte denn auch Sommer seine graphische 
Registrierung der kleinsten unwillkürlichen Bewegung nach den drei Haupt¬ 
komponenten zunächst begonnen, nachdem schon Jastrow auf die psycho¬ 
logische Bedeutung der Registrierung solcher Vorgänge überhaupt hinge¬ 
wiesen hatte.3) Bei den beiden Apparaten Sommers, mittelst deren man die 
Bewegungen der Hände und der Beine aufzeichnen kann, werden diese je¬ 
doch nicht pneumatisch, sondern unmittelbar mechanisch durch ein Hebel¬ 
system auf drei Schreibhebel an einer Schreibtrommel übertragen4). 
Bei dem Hand apparat ruht der Ellbogen in der Schlinge am Stativ A2 A2, während 
ein oder mehrere Finger ausgestreckt auf die Platte Bt eines steigbügelartigen Rahmens 
gelegt werden, die zunächst bis zum Beginn des eigentlichen Versuches von dem ver¬ 
stellbaren Stativ A5 fest gestützt wird. Von dem oberen Ende des Rahmens geht nun ein 
Stab nach oben, der zunächst bis zum Angelpunkt a um den oberen Teil des Gerüstes A3A3 
herum (auf der Figur nach links) ausbiegt, in a selbst mit einer vertikal nach unten ge¬ 
richteten Spitze für ein Spitzenlager versehen ist, und von da aus noch um den senkrecht 
nach oben reichenden Stab V verlängert ist. Läßt man nun zur Registrierung der Hand- 
1) Zur Messung der motorischen Begleiterscheinungen psychischer Zustände. Som¬ 
mers Beiträge zur psychiatrischen Klinik. I. Heft 3. 1902, S. 143 (S. 145, Messung 
physiognomischer Ausdrucksbewegungen an der Stirnmuskulatur). 
2) Die Fixierung der Apparate außerhalb des Körpers würde nicht nur ganz andere 
Bewegungen, eben die unwillkürlichen Schwankungen des Kopfes im ganzen, herein¬ 
bringen, sondern außerdem auch eine ganz gezwungene willkürliche Anstrengung zur 
größtmöglichen Ruhe einführen. 
3) Jastrow, A Study of involuntary movements (Stud. f. Univ. of Wisconsin) Amer. 
Journ. of Psych. IV, 1892, S. 398, und A further study of involuntary movements V, 1893, 
S. 223. Auch die dreidimensionale Analyse von Bewegungen war in psychologischen 
Versuchen, allerdings viel komplizierter wie bei Sommer, von Solomons und Stein 
versucht worden (Normal motor automatisme (Psychol. Lab. of Harvard Univ.), Psych. 
Rev. Ill, 1896, S. 492). 
4) a. S. 458 A. 3 a. O. S. 93 ff. und „Die dreidimensionale Analyse der Ausdrucks¬ 
bewegungen“ Zeitschr. f. Psychol u. Ph. der S. Bd. 16, 1898, S. 275, Ber. d. III. intern. 
Kongr f. inn. Medizin 1896, S. 574, „Eine graphische Methode des Gedankenlesens“, Ber. 
d. III. intern. Kongr. f. Psychol, in München 1896 (1897), S. 383 und „Die Ausstellung 
von exp.-psychol. Apparaten und Methoden bei dem 1. Kongr. f. exp. Psychologie in 
Gießen“. Leipzig 1904, S. 46.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.