Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Methodik, Dritter Band, Zweite Hälfte: Zentrales Nervensytem, Psychophysik, Phonetik
Person:
Tigerstedt, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit24817/666/
IV. Reaktionsmethoden. 
Kapitel 18. 
Die psychologischen Symptome in der willkürlichen 
Bewegung und Ruhe. 
68. Einschränkung der Aufgabe des IV. Abschnittes. 
In einer selbständigen Methodik der experimentellen Psychologie würde 
die Darstellung der zweiten Hauptgruppe, die nach § 7 die Reaktionsmethoden 
im weiteren (Wundtschen) Sinne umfassen soll und in §32 den Reproduktions¬ 
methoden gegenübergestellt wurde, mindestens den nämlichen Raum wie die 
erste Gruppe beanspruchen. Wäre doch hierzu vor allem eine genaue Be¬ 
schreibung der teilweise sehr schwierigen physiologischen Methoden erforder¬ 
lich, die zur richtigen Registrierung der objektiv greifbaren Rückwirkungen 
des Bewußtseinslebens auf den Körper dienen können. Da diese jedoch als 
spezifisch physiologische Methoden in anderen Teilen dieses Handbuches 
in weiterem Zusammenhänge ausführlich behandelt sind, so kann ich mich 
hier unter Hinweis darauf mit einer Rekapitulation der in der experimentellen 
Psychologie vorkommenden Apparate und Arbeitsweisen begnügen1 S.). 
Da sämtliche physiologischen Funktionen irgendwie mit dem Zentral¬ 
nervensystem Zusammenhängen, das mit dem Bewußtsein in direkter 
Wechselwirkung steht, so können sie auch alle ohne Ausnahme irgendwie 
psychisch beeinflußt werden. Doch ist die Ablenkung vom bisherigen Ver- 
1) Eine vor allem auch methodisch wertvolle Monographie über die experimentelle 
Analyse der unwillkürlichen Ausdruckssymptome gab erst in jüngster Zeit E. Weber 
in seinem Buche „Der Einfluß psychischer Vorgänge auf den Körper“ 1910. Die voll¬ 
ständigste Darstellung der einschlägigen Methoden vom psychologischen Standpunkte 
aus findet man in Wundts Grundzügen der Physiologischen Psychologie II6 1910, 
S. 278ff. und III6 1911, S. 187ff. und 359ff., wo auch ihre Ergebnisse für seine Gefühls¬ 
theorie verwertet sind. Meinerseits habe ich im dritten Teil der Exp. Anal. d. Bewußt¬ 
seinsphänomene (1908) S. 341 (Versuche nach der Reaktionsmethode) eingehend dazu 
Stellung genommen. Für die psychologische Deutung der unwillkürlichen Ausdrucks¬ 
symptome dürfte der entscheidende Gesichtspunkt darin bestehen, daß man den je¬ 
weiligen Gesamtinhalt des Bewußtseins auf die Impuls eie mente (nicht Innervations¬ 
empfindungen!) hin betrachtet, deren Komplexe man als „Erregung“ verschiedener 
Qualität zu bezeichnen pflegt, während ihr Fehlen oder ihre Herabminderung einen 
entgegengesetzten Zustand des Gemütes ausmacht. Diese sind offenbar der zielbewußten 
Willkürtätigkeit nicht nur inhaltlich sondern vor allem auch bezüglich der zentrifugalen 
Wirkungsfähigkeit nahe verwandt.
        

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